ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Geburtshilfe: Zusätzliche Sicherheit

VARIA: Technik

Geburtshilfe: Zusätzliche Sicherheit

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1275 / B-1064 / C-1017

Richter, Eva A.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Seit den 70er-Jahren ist die Kardiotokographie (CTG) die Standardmethode auf den Entbindungsstationen. Nun wird am Charité-Virchow-Klinikum Berlin ein neues intrapartales fetales Monitoring erprobt. Das Stan®-System (ST-Strecken-Analyse-System) S-21 des schwedischen Medizingeräteherstellers Neoventa kombiniert das klassische CTG mit einer ST-Strecken-Analyse des fetalen EKGs. So sollen Risikosituationen unter der Geburt zielsicherer erkannt werden. In einer multizentrischen europäischen Studie wird getestet, ob sich durch das Verfahren die Zahl der mit metabolischer Azidose geborenen Babys und die Zahl der Kaiserschnitte wegen drohender Asphyxie des Fetus reduzieren lässt.
Entbindungskliniken in Schweden haben bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Zahl der Fälle mit metabolischer Azidose konnte bei Einsatz des fetalen Herzmonitors um 75 Prozent und die Zahl der operativen Eingriffe wegen drohender Asphyxie des Fetus um 44 Prozent gesenkt werden. In diese multizentrische Studie waren 4 421 Frauen mit termingerechten Geburten und Feten in Kopflage aufgenommen worden. Sie wurden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt: CTG allein und CTG plus ST-Strecken-Analyse. Die ST-Analyse erfolgt automatisch, auch die Interpretation der Aufzeichnungen in Verbindung mit dem CTG wird durch das System unterstützt.
Bei seiner Entwicklung ging man davon aus, dass Herz und Gehirn des Fetus gleichermaßen empfindlich gegenüber Hypoxie sind. Die ST-Wellenform des fetalen EKGs liefert Hinweise auf eine Hypoxie des Fetus. Wenn das Kind eine Hypoxie durch den Abbau von Glykogenreserven im Herzmuskel zu kompensieren versucht, ist dies durch eine Erhöhung der T-Welle erkennbar. Eine negative ST-Strecke weist darauf hin, dass das Myokard nicht mehr in der Lage ist, die Hypoxie zu kompensieren. Durch die kontinuierliche Überwachung des fetalen EKGs und damit der Sauerstoffversorgung unter der Geburt sollen Sauerstoffmangel-Situationen frühzeitiger erkannt werden, als es durch eine Fetalblutanalyse möglich ist.
Ob das Gerät die Fetalblutanalysen ersetzen kann, ist noch unklar. Im Rahmen eines EU-Projektes soll es künftig noch an weiteren deutschen Kliniken getestet werden. Dr. med. Eva A. Richter
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema