ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Niedermolekulares Heparin: Chirurgen empfehlen erweiterte Anwendung

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Niedermolekulares Heparin: Chirurgen empfehlen erweiterte Anwendung

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1276 / B-1066 / C-993

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Aktuelle Studien zur arteriellen und venösen Thromboembolie haben gezeigt, dass auch bei Patienten mit einem niedrigen Thromboserisiko durch die Anwendung niedermolekularer Heparine das Risiko noch einmal gesenkt werden kann. Vor diesem Hintergrund hat der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen (BNC) jetzt die Anwendung niedermolekularer Heparine zur Prophylaxe tiefer Beinvenenthrombosen bei immobilisierenden Verbänden im Unterschenkelbereich und bei arthroskopierten Patienten im Niedrigrisikobereich empfohlen.
Die in jüngster Zeit vorgelegten Studien haben nach Angaben des Vorsitzenden des BNC, Dr. Manfred Giensch (Hamburg), gezeigt, dass eine medikamentöse Prophylaxe auch bei Patienten, die ambulant operiert werden, sinnvoll sein kann. Bei einer von Knoll GmbH (Ludwigshafen) unterstützten Fachpressekonferenz am Rande des 3. BNC-Bundeskongresses in Nürnberg verwies Giensch zugleich auf die steigende Zahl geltend gemachter haftungsrechtlicher Ansprüche von Patienten im Zusammenhang mit der Thromboseprophylaxe sowie auf die hohen Behandlungskosten postthrombotischer Ereignisse.
Zwei Studien verbessern
die Datenlage
Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile und angesichts des Umstandes, dass der Nutzen der niedermolekularen Heparine zur Prophylaxe von tiefen Venenthrombosen zunehmend weniger umstritten sei, könne sein Verband die Anwendung dieser Heparine empfehlen, sagte der BNC-Vorsitzende.
Die bislang unzureichende Datenlage zum Thromboserisiko bei Patienten nach Kniearthroskopie sowie mit immobilisierenden Verbänden der unteren Extremitäten sei durch zwei prospektiv randomisierte klinische Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Reviparin (Clivarin® 1 750) etwas gebessert worden, berichtete Dr. Frank Misselwitz (Knoll). Beide Studien ergaben eine Reduktion des relativen Risikos für eine Thrombose um etwa 80 Prozent. In der ersten Studie wurden 239 Patienten nach Kniearthroskopie untersucht. Nach dem Eingriff wurde die eine Hälfte im Durchschnitt acht Tage lang prophylaktisch mit Reviparin behandelt; die andere Hälfte blieb unbehandelt. In der unbehandelten Gruppe traten fünf proximale Venenthrombosen auf. In der Reviparin-Gruppe sei es in einem Fall zu einer Thrombose gekommen, berichtete Misselwitz. Dabei habe es sich allerdings um einen Risikopatienten mit einer Gerinnungsstörung gehandelt.
Die zweite Studie mit „Gipsbeinpatienten“ wurde in Dänemark durchgeführt, da in Deutschland die Thrombose-Prophylaxe bei diesen Patienten bereits stringent erfolgt. 440 dänische Patienten mit Frakturen der Knöchel oder mit Achillessehnenruptur wurden nach der Entlassung aus der stationären Behandlung randomisiert und erhielten in den darauf folgenden fünf Wochen entweder Reviparin oder blieben unbehandelt. In der unbehandelten Kontrollgruppe traten in 17 Prozent der Fälle tiefe Venenthrombosen auf. In der Reviparin-Gruppe habe die Rate dagegen bei neun Prozent gelegen, berichtete Misselwitz. Das Blutungsrisiko sei im Vergleich zur unbehandelten Gruppe nicht erhöht gewesen. Die Studien hätten außerdem gezeigt, dass etwa 80 Prozent der Patienten in der Lage seien, sich das niedermolekulare Heparin selbst zu injizieren. Jürgen Stoschek
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