ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Fibrinolyse bei Myokardinfarkt Tenecteplase ermöglicht Einfach-Bolus

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Fibrinolyse bei Myokardinfarkt Tenecteplase ermöglicht Einfach-Bolus

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1276 / B-1066 / C-993

Wolf, Elke

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mit dem Fibrinolytikum TNK-t-PA (Tenecteplase, Metalyse®, Boehringer Ingelheim) steht ein Medikament zur Lysetherapie des akuten Herzinfarkts zur Verfügung, das innerhalb von etwa zehn Sekunden als Einmal-Bolus verabreicht werden kann. Bislang konnte der Notarzt Thrombolytika nur als komplexe Infusion geben. Je früher die Infarktarterie rekanalisiert wird, desto besser ist das klinische Ergebnis.
Bisheriger Goldstandard in der thrombolytischen Therapie des akuten Herzinfarkts ist der rekombinante Gewebeplasminogenaktivator rt-PA (Alteplase). Dass es die Neuentwicklung TNK-t-PA mit dem Referenzstandard aufnehmen kann, hat sie in klinischen Studien mit rund 17 000 Patienten bewiesen. Tenecteplase erwies sich bezüglich der Lyse von Blutgerinnseln in Koronararterien der Alteplase als ebenbürtig und senkte die 30-Tage-Mortalität wie Alteplase auf 6,2 Prozent.
„Auch die Inzidenz intrakranieller Blutungen und von Schlaganfall war bei beiden Substanzen vergleichbar; sie betrug 0,93 Prozent beziehungsweise 0,94 Prozent“, sagte der Studienleiter Prof. Frans van de Werf (Universität Leuven). Aber: „Die Inzidenz nichtzerebraler Blutungen war bei den mit TNK-t-PA behandelten Patienten signifikant geringer im Vergleich zur Inzidenz bei der mit rt-PA behandelten Vergleichsgruppe.“ Van de Werf führte die geringere Blutungsneigung auf die höhere Fibrinspezifität des neuen Arzneistoffs zurück.
Bei gleicher Wirksamkeit lasse sich Tenecteplase besser anwenden und biete mehr Sicherheit, wurde bei der Einführungspressekonferenz berichtet. Mit TNK-t-PA, das kompatibel zu der üblichen Begleitmedikation des Myokardinfarktes ist, könne die Fibrinolyse schon im Rettungswagen oder rascher auf der Intensivstation eingeleitet werden.
TNK-t-PA sei eine durch Bio-Engineering hergestellte Variante von Alteplase, das wiederum eine mittels rekombinanter Verfahren hergestellte Version des natürlich vorkommenden Gewebe-Plasminogen-Aktivators t-PA sei, erklärte Dr. Ulrich Drees (Boehringer Ingelheim). Die Aminosäuresequenz des t-PA- Moleküls wurde an drei Stellen („T“, „N“, „K“) gentechnisch modifiziert. Der Aminosäureswitch an drei Stellen bringt Vorteile für die Wirkung mit sich:
c Verlängerung der Halbwertszeit um 22 Minuten, wodurch eine Einfach-Bolus-Dosierung möglich wird.
c Erhöhung der Fibrinspezifität um das 14fache im Vergleich zum natürlichen
t-PA, was die Blutungsneigung vermindert.
c Erhöhung der Resistenz gegenüber dem Plasminogen-Aktivator-Inhibitor (PAI-1), ein Protein, das die aktivierende Wirkung eines Thrombolytikums blockieren kann. Elke Wolf
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema