ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Diabetes-Therapie: Acarbose ist auch in Kombination wirksam

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Diabetes-Therapie: Acarbose ist auch in Kombination wirksam

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): A-1277 / B-1098 / C-982

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Mit dem Fortschreiten des Typ-2-Diabetes reicht die Monotherapie zur Stabilisierung der Stoffwechselsituation oftmals nicht mehr aus. Alphaglukosidasehemmer wie die Acarbose bieten sich in einer solchen Situation als Kombinationspartner an, wie die Daten der UKPDS-Studie (United Kingdom Prospective Diabetes Study) zeigen.
„Hierbei wurde ein Teil der Patienten, die auf die Behandlung mit Metformin, Sulfonylharnstoff und auch auf eine Kombination der beiden Wirkprinzipien nicht befriedigend ansprachen und deren HbA1c-Wert im Mittel bei 8,6 Prozent lag, zusätzlich mit Acarbose behandelt“, erklärte Prof. Eberhard Standl (München) auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Bayer Vital (Leverkusen) in Bergisch Gladbach. In allen Gruppen induzierte Acarbose eine zusätzliche Senkung des HbA1 – in der Sulfonylharnstoffgruppe um 0,5 Prozent und in der Metformingruppe um 0,7 Prozent.
Solange die Hyperinsulinämie im Vordergrund steht, wird die Acarbose (Glucobay®) zunächst mit Metformin kombiniert (auch bei übergewichtigen Patienten). Bei abnehmender Insulinsekretion bietet sich nach Angaben von Standl dann die Kombination von Acarbose und Sulfonylharnstoff an, bei der weniger kardiovaskuläre Nebeneffekte zu befürchten sind.
Typ-2-Diabetiker gelten als kardiovaskuläre Hochrisikopatienten. Prospektive Studien dokumentieren, dass die postprandiale Hyperglykämie beim Typ-2-Diabetes ein eigenständiger zusätzlicher Risikofaktor ist. In der frühen Krankheitsphase stehen daher Therapieprinzipien im Vordergrund, welche die postprandiale Situation günstig beeinflussen.
Acarbose verzögert die Resorption der Kohlenhydrate im Darm, wodurch die Glukoseaufnahme im oberen Dünndarm vermindert wird. Dafür gelangen mehr Kohlenhydrate in die tieferen Darmabschnitte, die Glukose flutet langsamer an, und der postprandiale Blutzuckeranstieg wird vermindert. Darüber hinaus stimulieren die vermehrt in die tieferen Dünndarmabschnitte gelangenden Kohlenhydrate die Abgabe des Darmhormons GLP 1 (Glukagon like Peptide 1) ins Blut. GLP 1 aber hemmt die Glukagonsekretion, stimuliert die Insulinfreisetzung und senkt somit erhöhte Blutzuckerspiegel. Der Effekt ist direkt von der Ausgangslage abhängig – bei normalen Glukosespiegeln wirkt GLP l nicht, was erklärt, warum keine Hypoglykämien ausgelöst werden. Um Nebenwirkungen zu vermeiden (Meteorismus, Flatulenz), empfehlen die Diabetologen, die Acarbose einschleichend zu dosieren. Außerdem hat sich in den zehn Jahren seit Einführung der Substanz herauskristallisiert, dass die anfänglich empfohlene Tagesdosis von 300 mg auf 150 mg gesenkt werden kann – und zwar ohne Therapieverlust. Zyl
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