ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2001Neurologe müsste man sein

VARIA: Post scriptum

Neurologe müsste man sein

Dtsch Arztebl 2001; 98(19): [72]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Vor Jahren versuchte ich einmal zu ergründen, warum Neurologen geschickter im Umgang mit Läufern und Springern als andere (normal sterbliche) Ärzte seien. Natürlich vergebens. Vielleicht ist ihr Talent ja einfach eine Laune der Schachgöttin Caissa, die in bester beziehungsweise schlechtester Göttermanier ihre Huld verteilt. Und die „Betroffenen“ staunen genauso wie unsereins, wenn sie auch von neuronalen Vernetzungen einiges mehr verstehen. „Das Leben ist hart, aber ungerecht“, sagte mein Chirurgenfreund Dr. Abtahi, obgleich er sich in puncto Schachtalent auch nicht zu beklagen hatte.
Ein vorentscheidendes Gefecht um die diesjährige Deutsche Ärztemeisterschaft führte den Bamberger Professor Dr. Peter Krauseneck und seinen ehemaligen Assistenten Dr. Reinhold Schnelzer zusammen. Wie gesagt, zwei Günstlinge Caissas.
Und siehe da – manchmal ist das Leben doch gerecht. Zwar funktionieren Prof. Krausenecks Schachneuronen am Brett aufs Beste, doch die Vorbereitung ist zu beklagen. Wie oft versuchte der Chronist und Vereinskollege nicht schon, ihn auf den Pfad der Tugend zu bringen – nichts half. Sollten etwa selbst Neurologen in mancher Hinsicht nur bedingt lernfähig sein? Konditioniert wie wir alle?
Wie auch immer, gemütlich, ja geradezu aufreizend langsam sah man Professor Krauseneck wieder zum Turniersaal schlendern, der so wertvollen, unerbittlich verrinnenden Zeit in den Schnellpartien nicht achtend, die ebenso wie die reine Schachkunst über den Ausgang der Partie entscheidet.
Es kam, wie es auch einmal kommen musste. Fehlerhaft hatte er zuletzt 1. Th1-g1? gezogen, den Gegenzug von Dr. Schnelzer als Schwarzem zwar gesehen, aber in der Eile der Zeit nicht in allen Verästelungen überblickt. Seine List verfing nicht, er wurde zum betrogenen Betrüger. Wie kam’s?
Gerechterweise wurde dann Dr. Schnelzer Sieger des Turniers, Peter Krauseneck „nur“ Fünfter, obwohl auch über ihn der „Götterbote“, Direktor Hermes von der Apotheker- und Ärztebank, den letzten Geldpreis ausschüttete. „Wer hat, dem wird gegeben werden“, heißt es in der Bibel.

Lösung:
Die Bauerngabel 1. . . . d4! gewann. Nach 2. Lxd4 Sxd4 war 3. Dxd4 wegen 3. . . . Lc5 mit Qualitätsgewinn (Turm für Läufer) wenig ersprießlich. Also holte Weiß zum vorbereiteten Gegenschlag 3. Sxb5?!? mit gleichzeitigem Angriff auf Dame und Springer aus, doch nach 3. . . . Le4+! konnte selbst ein Neurologie-Professor „wie a Fünferla“ (Bamberger Volksmund) schauen, weil er nach 4. Ka1 Dxc1+! 5. Txc1 Txc1 matt ist.
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