ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Rehabilitation: Wieder aufwärts

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Rehabilitation: Wieder aufwärts

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1281 / B-1093 / C-1021

Clade, Harald

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LNSLNS Auf dem Reha-Markt setzt sich nach den Restriktionen infolge des Beitragsentlastungsgesetzes und des Wachstums- und Beschäftigungsgesetzes von 1996 und dem dramatischen Einbruch um 29 Prozent in 1997 jetzt im dritten Jahr in Folge eine spürbare Erholung fort. Wurden vor vier Jahren noch die Schließung von rund 140 Reha- und Vorsorge-Einrichtungen und die Entlassung und Kurzarbeit von 40 000 Fachkräften in diesem Sektor beklagt, so droht die Ausgabenentwicklung erneut aus dem Ruder zu laufen. Allerdings hatten Kapazitätsüberhänge den Kostendruck verschärft und den Kampf um die Patienten erneut entfacht. Im Reha-Sektor werden rund zehn Milliarden DM jährlich umgesetzt – das entspricht rund zehn Prozent für die stationäre Behandlung im Akutsektor.
Der Reha-Sektor verdeutlicht exemplarisch, dass dirigistische Eingriffe durch den Gesetzgeber und heckenschnittartige Sparaktionen im Gesundheitswesen nur kurzfristig wirken. Zwar wurde die Regeldauer von vier auf drei Wochen verkürzt, das Zeitintervall zwischen zwei Reha-Maßnahmen von drei auf vier Jahre verlängert und die Zuzahlung verdoppelt, dennoch ist bis heute die bereits 1995 festgestellte Überkapazität von rund 70 000 Betten nur um etwa ein Drittel abgebaut worden. Vor allem Betreiber privater Kliniken mussten Betriebsverluste hinnehmen und teilweise Rücklagen aufzehren. Zum Teil wurden Reha-Kliniken in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft subventioniert. Wurden früher noch zweistellige Renditen erzielt, so müssen sich die Reha-Kliniken infolge der rückläufigen Auslastung und des relativ hohen Fixkostenanteils mit weniger Umsatzrendite zufrieden geben. Hinzu kommt: Die Rentenversicherungsanstalten verweisen auf die grundlohngekoppelten Budgetsteigerungen und drücken als Nachfrage-Oligopolisten stark auf die Preise. So betrug der Pflegesatz für orthopädische Patienten 1997 noch 220 bis 240 DM je Tag, heute werden Pflegesätze von 180 DM und weniger pro Tag angeboten. Die Rentenversicherungsträger – insbesondere die BfA – zogen 1997 ihre Belegung zu einem erheblichen Teil aus privaten Reha-Kliniken ab, um die eigenen Häuser zu füllen und zu bevorzugen. Dadurch standen zeitweise über 50 000 Betten in privaten Reha-Kliniken leer.
Ende 1999 gab es 1 398 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen (+ 217 oder 18,4 Prozent mehr als 1991). Dr. rer. pol. Harald Clade
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