ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Evangelische Krankenhäuser: Sparen an falscher Stelle

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Evangelische Krankenhäuser: Sparen an falscher Stelle

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1281 / B-1093 / C-1021

Richter, Eva A.

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LNSLNS Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) gab sich beim Kongress anlässlich seines 75-jährigen Bestehens kämpferisch: „Wir müssen reformierte Vergütungswege finden und von der Vorstellung wegkommen, dass sich nichts ändern dürfe“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Pastor Wolfgang Helbig (Hannover), in Berlin. Er denke dabei an ein System von Basisleistungen, die von allen Menschen zu versichern seien, und freiwilligen Wahlleistungen. Das Thesenpapier von Prof. Dr. rer. oec. Johann Eekhoff, Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln, das ein solches System skizziert, wurde mitgereicht. Dieses sieht ferner vor, die Krankenhäuser in die Lage zu versetzen, Verträge mit den Kran­ken­ver­siche­rungen über Leistungen und Entgelte zu schließen.
Zugleich wollen die evangelischen Krankenhäuser aber auch „ihr christliches Profil deutlich herausarbeiten und damit künftig ihre Position am Gesundheitsmarkt ausbauen“; so heißt es zumindest in der Erklärung des Verbandes. In seinen 275 Mitgliedskrankenhäusern soll Zuwendung ein zentraler Bestandteil der Pflege sein, Seelsorge zur Regelbehandlung gehören und die Ethik im Vordergrund stehen. An dieser Stelle dürfe nicht gespart werden, betonte Helbig.
Dies ist zweifellos eine begrüßenswerte Zielsetzung. Denn die menschliche Begleitung von Patienten in schwierigen Lebenssituationen ist unverzichtbar. Eine reine „Automaten-Medizin“ wäre unethisch. Doch ist es ethisch vertretbar, Leistungen im Krankenhaus aufzusplitten und einem Patienten, der nur eine Basisversicherung abgeschlossen hat, die „zusätzliche“ Leistung, so sie medizinisch notwendig ist, vorzuenthalten? Die Deutsche Krankenhausgesellschaft – der der DEKV übrigens als Mitgliedsverband angehört – lehnt ein solches Vorgehen ab. Schließlich ist das Krankenhaus im gegliederten Gesundheitssystem die letzte Interventionsstufe. Ambulante Behandlungsmöglichkeiten sind meist schon ausgeschöpft. Das Ausgliedern von Leistungen auf dieser Stufe wäre ebenfalls ein Sparen an der falschen Stelle. Dr. med. Eva A. Richter
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