ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Weiterbildung: Raum für Fortschritt

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Weiterbildung: Raum für Fortschritt

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1298 / B-1105 / C-1033

Koch, H. Hellmut; Güntert, Annette

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LNSLNS Die Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung ist auch beim 104. Deutschen Ärztetag ein zentraler Beratungspunkt.

Nachdem der 103. Deutsche Ärztetag die Grundzüge für eine Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung vorgegeben hat, steht in diesem Jahr in Ludwigshafen der Paragraphenteil („Abschnitt A“) zur Diskussion, der die entsprechenden Strukturen festlegt. Auf dieser Basis können dann die inhaltlichen Details der einzelnen Weiterbildungsgänge für die Abschnitte B und C erarbeitet werden.
Kernelement der Novelle ist die Abgrenzung von „Gebietsdefinition“ und „Facharztkompetenz“. Die bisherige Weiter­bildungs­ordnung hat zwischen diesen beiden Begriffen nicht eindeutig unterschieden. Man ging davon aus, dass alles, was ein Gebiet auch an speziellen Inhalten aufwies, abgebildet und im Laufe der Mindestweiterbildungszeit tatsächlich vermittelt werden konnte. Dieser Anspruch ist aufgrund der Fülle neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Entwicklung hoch spezialisierter Techniken nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Mit ihrer Beschlussvorlage für den 104. Deutschen Ärztetag verfolgen die Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer das Ziel, die Gebietsgrenzen eindeutig zu definieren und auch Hochspezialisierungen und Innovationen, die nicht oder noch nicht in einem Weiterbildungsgang beschrieben sind, klar zuzuordnen. In jedem Fall aber ist gewährleistet, dass eine Facharztkompetenz alle wesentlichen Gebietsinhalte umfasst, um eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen.
Im Konsens mit den Lan­des­ärz­te­kam­mern und einstimmig vom Vorstand der Bundes­ärzte­kammer beschlossen, soll künftig die Gebietsdefinition umfassend alle Leistungen eines Gebietes beschreiben. Hierzu gehören die Prophylaxe, Erkennung, Behandlung und Rehabilitation sowie hoch spezielle Einzelleistungen des Gebietes. Innerhalb der Gebietsgrenzen werden Facharzt-, Schwerpunkt- und Bereichskompetenz sowie die Kompetenz eines Befähigungnachweises definiert. Erwerben Ärztinnen und Ärzte gemäß den Anforderungen des Weiterbildungsrechts ihre fachliche Kompetenz in einem bestimmten Weiterbildungsgang, so sind sie berechtigt, die damit verbundenen Fähigkeiten, die sie in einer Prüfung vor der Ärztekammer nachweisen müssen, selbstständig und eigenverantwortlich auszuüben.
Es liegt auf der Hand, dass sich nicht mehr alle Inhalte eines Gebiets in der Weiter­bildungs­ordnung abbilden und innerhalb der vorgegebenen Weiterbildungszeit vermitteln lassen. Genauso wenig sinnvoll ist es, sehr spezielle Inhalte eines Gebietes für alle Ärztinnen und Ärzte obligatorisch in die Weiterbildung aufzunehmen. Das würde zu Engpässen in der Weiterbildung und zu einem Überangebot an Spezialisten führen. Daher werden künftig hoch spezialisierte medizinische Leistungen nicht obligatorisch in der Weiterbildung zum Facharzt verankert, sondern über die Gebietsdefinition den jeweiligen Gebieten zugeordnet. Daneben muss es möglich sein, fakultative Weiterbildungsinhalte festzulegen. Bestimmte Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten, über die nicht alle Fachärzte verfügen müssen und die damit nicht zu den Mindestinhalten der Facharztkompetenz gehören, werden in der Novelle als „Befähigungsnachweis“ definiert. Befähigungsnachweise werden – wie alle Weiterbildungsinhalte – eindeutig den jeweiligen Gebieten zugeordnet. So muss beispielsweise nicht jeder Internist die Echokardiographie erlernen. Will man aber einzelnen Internisten diesen Kompetenzerwerb ermöglichen, lässt sich dies über einen Befähigungsnachweis gestalten. Der Befähigungsnachweis „Echokardiographie“ würde dann dem Gebiet Innere Medizin zugeordnet, innerhalb des Gebiets im Schwerpunkt „Kardiologie“ aber obligater Bestandteil bleiben. Hierbei ist zu beachten, ob auch andere Gebiete oder Schwerpunkte von dieser Regelung betroffen sind. Wichtig ist zudem, dass Ärzte einen Befähigungsnachweis im Sinne einer Nachqualifikation berufsbegleitend erwerben können – vor allem, wenn sich nach abgeschlossener Weiterbildung neue, für die Berufsausübung wesentliche diagnostische oder therapeutische Methoden entwickelt haben.
Die Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung bietet die Chance, die Schnittstellen von Berufs- und Sozialrecht in Einklang zu bringen. Die Differenzierung zwischen Gebietsdefinition und Facharztkompetenz bildet die geeignete Grundlage für eine funktionsfähige Lösung. Die Konzentration der verpflichtenden Weiterbildungsinhalte auf das Wesentliche und Typische des Gebietes gewährleistet eine gesicherte Qualität in der Weiterbildung. Der Befähigungsnachweis, der mit einer Prüfung abgeschlossen wird, soll als fakultatives Weiterbildungsinstrument vor allem für methodisch-technische Leistungen eine hochwertige Versorgung sichern. Der Wille aller Beteiligten, die ärztliche Weiterbildung bundeseinheitlich zu regeln, wird an der konsequenten Umsetzung dieser Ziele zu messen sein.

Dr. med. H. Hellmut Koch
Dr. med. Annette Güntert
Bundes­ärzte­kammer
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