ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Hautärzte: Wandel zur Lifestyle-Medizin?

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Hautärzte: Wandel zur Lifestyle-Medizin?

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1300 / B-1041 / C-943

Richter, Eva A.

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Die ästhetische Dermatologie war ein zentrales Thema
beim Deutschen Dermatologen-Kongress in Berlin.

Die Dermatologie wird künftig eines der chancenreichsten Fachgebiete der Medizin sein“, prophezeite Prof. Dr. med. Erwin Schöpf, Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, bei der Eröffnung der 41. Tagung der Gesellschaft Anfang
Mai in Berlin. Dass er trotz der kritisierten gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen optimistisch ist, hat einen Grund: Die traditionelle Hautarztpraxis entwickelt sich zunehmend zu einem Zentrum für Ästhetik und Wellness; sie scheint damit über Budgetierung und Sparzwänge erhaben zu sein. Die klassische Dermatologie dürfe jedoch keineswegs vernachlässigt werden. Vielmehr sollten „beide Aspekte des Faches wissenschaftlich begründet und qualitätsgesichert praktiziert werden“, empfahl Schöpf.
Die ästhetische Dermatologie ist allerdings der Teil, der boomt. „Heutzutage geht es nicht mehr allein darum, die Haut gesund zu erhalten“, bekräftigte der Tagungsleiter Prof. Dr. med. Wolfram Sterry, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité, Berlin. Körperbewusstsein und ästhetisches Erscheinungsbild spielten stattdessen eine immer größere Rolle. Die Nachfrage nach Leistungen der Hautpflege und -verschönung sei gestiegen. Dieser tragen viele Hautärzte bereits Rechnung. In den letzten drei Jahren seien in Deutschland etwa 300 aus der Praxis ausgegliederte Institute für ästhetische Dermatologie entstanden, berichtete Dr. med. Erich Schubert, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen. Dort würden die Behandlungen angeboten, die als individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL) nicht von den Krankenkassen übernommen, sondern privat berechnet werden.
„Unser Leistungsspektrum unterscheidet sich von dem eines Kosmetikstudios dadurch, dass es sich meist um intensivere Verfahren und medizinische Eingriffe handelt, die über die dekorative Kosmetik hinausgehen“, erläuterte Schöpf. Dazu zählt beispielsweise das Intensivpeeling. Während in Kosmetiksalons nur Alpha-Hydroxysäuren in niedriger Konzentration zur Hautschälung angewendet werden dürfen, kann der Hautarzt Trichloressigsäure benutzen, die die Zellerneuerung und die Kollagenbildung anregen sowie Sonnen- und Altersflecke beseitigen soll. Auch die Behandlung mit Botulinum-Toxin ist den Ärzten vorbehalten. Das Nervengift lähmt in geringsten Dosierungen Hautmuskeln, die die
Faltenbildung verursachen, und wird mit Erfolg seit zwei Jahren eingesetzt. Weitere Methoden der Institute sind die Laserbehandlung, die Liposuktion oder die Cellulipolyse.
Möglicher Trend löste interne Diskussionen aus
„Der Wandel vollzieht sich in unserem Fach nicht ohne innere Spannungen“, räumte Schubert ein. Konservative Dermatologen würden die ästhetische Dermatologie als „unnütz“ ablehnen; sie sei nicht Inhalt des Faches. Die
Befürworter argumentierten hingegen, dass die Ästhetik schon immer ein Teil der Arbeit von Dermatologen gewesen wäre. Inzwischen würden sich jedoch die Gegensätze verringern, meinte Schubert. Dies belegten die Kurse, Seminare und Vorträge zu diesem Thema auf dem Kongress, für die Ärzte erstmals auch Qualifikationspunkte erhalten würden. Dr. med. Eva A. Richter
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