ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Arzthelferinnen: Reformbedarf in der Ausbildung

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Arzthelferinnen: Reformbedarf in der Ausbildung

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1304 / B-1110 / C-1038

Gerst, Thomas

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Die Inhalte der Arzthelferinnen-Ausbildung müssen sich veränderten
Arbeitsschwerpunkten in der ambulanten Praxis anpassen. Alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte werden aufgerufen, auf dem nachfolgenden
Fragebogen ihre Vorstellungen in die Reformdiskussion einzubringen.

Zunahme diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten in der medizinischen Versorgung, Verlagerung vom stationären in den ambulanten Sektor, vermehrte häusliche Krankenpflege, Entwicklung von Praxiskooperationsformen aller Art mit entsprechender Vernetzung, wachsender Kostendruck – dies sind nur einige der tief greifenden Veränderungen, mit denen sich die niedergelassenen Ärzte in den vergangenen Jahren konfrontiert sahen. Die Arzthelferinnen nehmen bei diesem notwendigen Anpassungsprozess eine wichtige Rolle ein, auf die sie im Rahmen ihrer Fort- und Weiterbildung aber nur bedingt vorbereitet wurden.
Eine Novellierung der Arzthelferinnen-Ausbildungsverordnung fällt in die Zuständigkeit der Länder. Über die Berufsbildungsausschüsse der Länder sind die Ärztekammern an der Ausgestaltung der Ausbildung im Rahmen der geltenden Rechtsordnung beteiligt. Nach dem Berufsbildungsgesetz haben die Ärztekammern die ordnungsgemäße Ausbildung der Arzt-
helferinnen zu überwachen. Nachdem sich nach Befragung der Berufsbildungsausschüsse ein erheblicher Novellierungsbedarf bei der Ausbildung von Arzthelferinnen abzeichnete, haben die Vorstände von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung im Januar 2000 auf Empfehlung der Ständigen Konferenz „Medizinische Fachberufe“ der BÄK beschlossen, eine systematisch abgesicherte arbeitsmarktbezogene Analyse hinsichtlich des zukünftigen Qualifikationsbedarfs durchführen zu lassen. Mit der Analyse wurde das Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI), Köln, beauftragt. Das ZI formuliert als zentrale Fragen der Untersuchung:
c In welchen Bereichen besteht Reformbedarf in der Ausbildung? Welche Qualifikationen sollen flexibel einsetzbare Arzthelferinnen konkret besitzen?
c Sollte es Vermittlungsformen von Ausbildungsinhalten außerhalb der Praxis geben?
c Sollte es strukturelle Änderungen im Berufsbild oder in der Ausbildung geben (zum Beispiel Wahl- und Pflichtteile)?
Der Befragung im Deutschen Ärzteblatt vorangegangen sind fünf Diskussionsrunden mit Vertretern von ärztlichen Fachverbänden und Lan­des­ärz­te­kam­mern, des Berufsverbandes der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen, eines Landesverbandes in der Praxis mitarbeitender Arztfrauen und von Berufsverbänden der Lehrer an Berufsschulen. In Bezug auf die notwendigen Lehrinhalte bei der Ausbildung der Arzthelferinnen betonten die Gruppen übereinstimmend, dass ein solides medizinisches Grundwissen gewährleistet sein muss (wichtigste Krankheitsbilder, Terminologie, Anatomie und Physiologie, Pharmakunde, kleines facharztspezifisches Repertoire). Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmer auch dar-
über, dass die Ausbildungsinhalte zum Labor aufgrund der Automatisierung deutlich verringert werden können. Eine Spezialisierung im Rahmen der Grundausbildung wurde zwecks Erhalt der Flexibilität mehrheitlich abgelehnt. Drei Diskussionsgruppen plädierten für eine außerbetriebliche Ausbildung, das Rotationsverfahren als sinnvolle Ergänzung wurde in vier Diskussionsrunden notiert.
Die meisten Gesprächsteilnehmer favorisierten eine Akzentverschiebung auf den Verwaltungs-, vor allem auf den EDV-Bereich sowie eine verstärkte Vermittlung von präventiven und psychosozialen/ kommunikativen Kompetenzen. Letztere wurden als Grundvoraussetzung im Umgang mit Patienten und als immer wichtiger für den Praxiserfolg angesehen. Besonders notwendig erschien diese Fähigkeit bei der Unterstützung von Patienten mit besonderen Bedürfnissen oder im Umgang mit manchmal „schwierigen“ Patienten.
Um die zu erarbeitenden Vorschläge für die künftigen Ausbildungsinhalte von Arzthelferinnen auf eine möglichst breite Datenbasis zu stellen, werden die niedergelassenen Ärzte aufgerufen, sich an der Fragebogen-Aktion im Deutschen Ärzteblatt zu beteiligen. Novellierungsvorschläge, die auf einer solchen Datenbasis beruhen, haben eine belegbare Legitimation und können mit einer entsprechenden Akzeptanz rechnen. Thomas Gerst
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