ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Meinungsforschung: Ganzheitliche Therapie gewünscht

THEMEN DER ZEIT

Meinungsforschung: Ganzheitliche Therapie gewünscht

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1307 / B-1109 / C-1037

Bühring, Petra

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Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte
2 111 Menschen zu ihren Einstellungen zu Gesundheit
und ärztlicher Versorgung.

Was bedeutet Gesundheit für den Einzelnen? Kann man Gesundheit selbst beeinflussen? Was wird getan, um gesund zu bleiben? Wie werden Ärzte eingeschätzt, und welche Einstellung haben die Deutschen zu Schulmedizin und Naturheilverfahren? Welche Informationskanäle benutzen Gesundheitsinteressierte? Das sind Fragen, die das Institut für Demoskopie in Allensbach 2 111 Deutschen ab 16 Jahren im Jahr 2000 stellte. Auftraggeber der Repräsentativbefragung war die Stiftung Identity-Foundation, Düsseldorf, hinter der eine PR-Agentur steht.
Gesundheit ist den Deutschen wichtiger geworden: 48 Prozent (rund 30 Millionen Menschen) achten heute mehr auf ihre Gesundheit als Mitte der Neunzigerjahre. Wenig überraschend: Das Gesundheitsbewusstsein der Befragten nimmt zu, je älter sie sind und je häufiger sie selbst oder Nahestehende bereits krank waren. Eine große Mehrheit (88 Prozent) ist davon überzeugt, dass sich Gesundheit durch die Lebensweise beeinflussen lässt. Dabei glaubt der gebildete Höherverdienende eher als der sozial Schwache, dass er Einfluss auf seine Gesundheit hat. In der konkreten Umsetzung gesunder Lebensweisen beweisen die über 60-Jährigen die größte Disziplin. Knapp die Hälfte der 30- bis 44-Jährigen würde gerne mehr für die Gesundheit tun, sieht sich aber durch Beruf und Familie daran gehindert. Um gesund zu bleiben, halten sich die meisten an der frischen Luft auf, achten auf genügend Schlaf, nehmen Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch, achten auf das Gewicht und eine gesunde Ernährung, vermeiden Stress und treiben Sport. Die unter 30-Jährigen gehen eher sorglos mit ihrer Gesundheit um, nur beim Sporttreiben sind sie am aktivsten. Frauen leben gesünder als Männer.
Die Ärzteschaft genießt nach wie vor hohes Ansehen in der Bevölkerung. Patienten vertrauen den Ärzten, auch wenn sie diese schon einmal ratlos erlebt haben. Dennoch sehen viele Befragte Mängel in der Betreuung: 56 Prozent kritisieren, dass Ärzte sich zu wenig Zeit nehmen und nur oberflächlich nach den Gründen einer Erkrankung forschen. Psychische Prozesse sollten stärker berücksichtigt werden. Immerhin glauben 72 Prozent, dass somatische Symptome psychische Ursachen haben.
Vielen Deutschen ist die Behandlung zu stark auf die Schulmedizin ausgerichtet: 45 Prozent sind überzeugt, dass die Ärzte die Möglichkeiten alternativer Heilverfahren zu wenig nutzen. Gewünscht wird eine schonendere Behandlung mit weniger Nebenwirkungen. Die Bevölkerung hegt eine ausgeprägte Zuneigung zu alternativen Heilverfahren und Naturheilmitteln. 83 Prozent reagierten auf den Begriff Naturheilkunde mit spontaner Sympathie. Das Schlüsselwort Antibiotika finden nur 49 Prozent sympathisch (Grafik).
An die uneingeschränkte Wirksamkeit von Naturheilmitteln glauben 50 Prozent der Bevölkerung; nur drei Prozent bezweifeln jede Wirkung. 67 Prozent derjenigen, die Erfahrungen mit Naturheilkunde und alternativen Heilverfahren haben, wünschen sich mehr Ärzte, die sich damit auskennen. Dabei spielt die weit verbreitete Meinung eine Rolle, dass es auf diesem Gebiet viele Scharlatane und Pfuscher gibt. Der Wunsch nach einer größeren Bedeutung alternativer Medizin ist aber kein Urteil gegen die Schulmedizin: 81 Prozent der Bevölkerung sind davon überzeugt, dass sich die Ansätze ergänzen können. Als Informationslieferant für Naturheilkunde und Alternatives wird allerdings das größte Vertrauen in Heilpraktiker (61 Prozent) gesetzt, mit großem Abstand folgen Ärzte und Apotheker (33 und 29 Prozent).
Arzt als hauptsächliche Informationsquelle
Das Internet spielt als Informationsquelle für Fragen zur Gesundheit mit einem Anteil von fünf Prozent bisher kaum eine Rolle, ebenso wenig Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Die meisten (79 Prozent) informieren sich durch ihren Arzt. 63 Prozent nutzen Fernsehsendungen wie Gesundheitsmagazin Praxis oder ARD-Ratgeber Gesundheit, deren Informationen vertrauenswürdig erscheinen. Weniger Vertrauen haben die Befragten in Artikel in Zeitschriften und Zeitungen sowie in Gespräche, obwohl diese Quellen häufig genutzt werden. Bei Apotheken hält sich Nutzung und Vertrauen etwa die Waage. Insgesamt bewertet die Bevölkerung das Angebot als zufriedenstellend, nur bei alternativen Verfahren und Naturheilkunde bemängeln 37 Prozent, die Informationen seien unzureichend. Petra Bühring
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