ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Wechseljahre: Gezielt aufklären

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Wechseljahre: Gezielt aufklären

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1314 / B-1119 / C-1047

Steinle-Paul, Elisabeth

Zu dem Beitrag „Wechseljahre: Beginn einer Krankheit?“ von Klaus Koch in Heft 4/2001:
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LNSLNS Auch wenn der Zustand des Älterwerdens einer Frau heutzutage gerne vereinfachend als zu substituierendes Hormondefizitsyndrom bezeichnet wird, stellt sich doch nach wie vor die Frage des Umgangs mit diesem physiologischen Prozess. Ich bin keine Gegnerin der Hormonsubstitution, aber ich bin entschieden dagegen, dass ein undifferenzierter Einsatz der Hormone sich immer mehr breit macht. Und Werbung, Wissenschaft und viele Kollegen suggerieren ihre Unabdingbarkeit unbestreitbar in zunehmendem Maße. Nicht jede Frau braucht und nicht jede Frau möchte eine Hormontherapie in und nach der Menopause. Wenn jede Befindlichkeitsstörung und jede Stimmungsschwankung in der Zeit der Wechseljahre erst mal dazu führt, dass der Patientin eine Hormoneinnahme angeraten wird, dann machen wir es uns zu einfach. Zunehmend erlebe ich Patientinnen, die von anderen Kollegen wegen ihres Alters, ihrer Schlafstörungen, ihrer veränderten Stimmung zu einer HRT gedrängt werden, das aber gar nicht wollen und schon ein schlechtes Gewissen haben, weil sie diese Maßnahme ablehnen. Ein Gespräch ergibt dann zudem auch sehr häufig, dass durchaus biografische und lebenssituative Gründe für das Ungleichgewicht vorliegen und ganz andere kausale Maßnahmen sinnvoller sind. Und für die Häufigkeit von Knochenfrakturen und die Stabilität des Knochens sind bekannterweise auch eine Menge von verschiedenen Faktoren mitverantwortlich, die mir eine gezielte Aufklärung über eigene, aktive Maßnahmen seitens der Frau wichtiger erscheinen lassen als den Griff zum Rezeptblock. Eine kritischere Bewertung der HRT erscheint mir aus den unterschiedlichsten Gründen unerlässlich, auch wenn sie gerade wohl nicht en vogue ist. Außerdem fände ich es wichtig, darüber nachzudenken, wie man und vor allem Frau in unserer Gesellschaft in Würde und bei guter Gesundheit alt werden kann, ohne deshalb von Pillen abhängig zu sein. Abgesehen davon: Wer sagt uns denn, dass unser Glück in der ewigen Jugend liegt?
Elisabeth Steinle-Paul, Heinrich-Baumann-Straße 7, 70190 Stuttgart
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