ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001HIV-Patienten: Leere Versprechen reichen nicht

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HIV-Patienten: Leere Versprechen reichen nicht

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1314 / B-1119 / C-1047

Hilke

Zu dem Beitrag „DKV und HIV-Patienten: Ruhe vor dem Sturm“ von Jens Flintrop in Heft 7/2001:
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LNSLNS Nach jahrelangen Erfahrungen als Arzt eines manualtherapeutisch ausgerichteten Sonderkrankenhauses überrascht mich das Vorgehen der DKV nicht mehr. Auch ich erlebe es vielfach, dass die DKV die Übernahme der Krankenhauskosten bei unserer Klientel mit Hinweis auf ambulante Möglichkeiten und Reha-Maßnahmen verweigert, obwohl vonseiten der vorbehandelnden Ärzte als auch der Krankenhausärzte ein anderer Standpunkt vertreten wird und die Patienten auch häufig aufgrund ihrer Gebrechen gar nicht körperlich in der Lage wären, ambulante Maßnahmen durchführen zu lassen.
Es scheint die DKV auch nicht zu irritieren, dass die ebenfalls von Ärzten beratenen Pflichtversicherungen bei denselben Patienten auf schnelle stationäre Behandlung drängen und teilweise unbegrenzte Kostenübernahme garantieren, nur um die Patienten schnell wieder in den Arbeitsprozess zurückführen zu können beziehungsweise eine gesundheitliche Besserung zu erzielen. Leider bekommen die Herren nicht mit, in welche Not und in welche Konflikte sie ihre Versicherten stürzen und dass aus der Furcht, auf den Kosten sitzen zu bleiben, viele Patienten Therapien abbrechen, erst gar nicht antreten oder unter der psychischen Belastung verringerte Chancen auf Erfolg haben. Traurig ist, dass vor allen Dingen bei chronisch Schmerzkranken, wie in unserem Hause, oder bei HIV-infizierten Patienten eine besonders schutzbedürftige Klientel getroffen wird, die von genug Problemen belastet ist und oft nicht die Kraft hat, noch endlose Prozesse mit der DKV zu führen. Dennoch vermute ich, dass dieses DKV-Gebaren für die Versicherung größeren Nutzen durch den Therapieverzicht weniger konfliktfähiger Patienten bringt, als der Imageverlust dem Versicherer Schaden zufügen könnte. HIV-infizierte Patienten und chronische Schmerzpatienten haben meistens andere Sorgen, als über Medien dieses Versicherungsgebaren publik zu machen. Umso besser ist es, dass jetzt durch Ihren Artikel die Unzufriedenheit dieser Patienten publik wird und meines Wissens sich eine Gruppe der „DKV-Geschädigten“ als Selbsthilfegruppe organisiert. Vielleicht verstehen die Versicherer irgendwann, dass leere Versprechen („wir sind immer für Sie da“) nicht reichen, um Vertrauen zu bilden, sondern Kongruenz in Werbung und Taten der Garant dafür ist.
Dr. med. Hilke, Klinik für Manuelle Therapie e.V., Ostenallee 83, 59071 Hamm
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