ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Neue Bundesländer: Intensiv aufklären

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Neue Bundesländer: Intensiv aufklären

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1316 / B-1121 / C-1049

Breuer, H.-W. M.

Zu dem Beitrag „Gewisse Umstände“ von Dr. med. Alfred Schubert in Heft 14/2001:
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LNSLNS Wie von Herrn Dr. Schubert bereits postuliert, muss das Zeitfenster zwischen Auftreten der ersten Infarktsymptome und Beginn einer adäquaten Therapie als eine relevante Ursache für den Unterschied in der Herzinfarktsterblichkeit zwischen den neuen und den alten Bundesländern angesehen werden. Das von mir durchgeführte „Görlitzer Herzinfarktprojekt“ zeigte, dass 1996 in Görlitz, Ostsachsen, die Prähospitalzeit im Median acht Stunden betrug, in den alten Bundesländern zum damaligen Zeitpunkt 2,8 Stunden. Durch eine gezielte intensive Bevölkerungsaufklärung (Vorträge, Plakataktionen, Pressearbeit) konnte die Prähospitalzeit innerhalb eines Jahres auf vier Stunden im Median reduziert werden. Diese Zeitspanne, die für den Verlauf eines Herzinfarkts von größter Bedeutung ist, wahrscheinlich mehr als unterschiedliche Thrombolyse- oder Rekanalisationsverfahren, war jedoch noch immer deutlich länger als in den alten Bundesländern. Wie die begleitenden Analysen des Görlitzer Herzinfarktprojektes zeigten, sollte in Aufklärungsaktionen der Schwerpunkt auf das entscheidungsrelevante Handeln und nicht auf eine primäre Wissensvermittlung gelegt werden. Es besteht eine ethische Verpflichtung in den Regionen, wo offensichtlich extrem schlechte Ausgangssituationen bezüglich des adäquaten Verhaltens der Patienten bei akutem Myokardinfarkt vorliegen, intensiv aufklärend einzugreifen. Die noch vorhandenen deutlichen Unterschiede in der Herzinfarktsterblichkeit zwischen den neuen und den alten Bundesländern sind meines Erachtens eher durch die unterschiedlichen Reaktionsweisen der Bevölkerung als durch Unterschiede in Diagnostik und Therapie erklärbar.
Prof. Dr. med. H.-W. M. Breuer, St. Carolus-Krankenhaus, Carolusstraße 212, 02827 Görlitz
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