ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Asthmatherapie mit Montelukast: Jetzt auch für Kleinkinder verfügbar

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Asthmatherapie mit Montelukast: Jetzt auch für Kleinkinder verfügbar

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1341 / B-1122 / C-1049

Kreutzberg, Karin

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LNSLNS Die Zahl der Asthmatiker hat sich in Westeuropa in den letzten zehn Jahren verdoppelt, wobei die Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen besonders stark zugenommen hat. Die meisten Asthmatiker zeigen schon in den ersten Lebensjahren Symptome in Form einer obstruktiven Bronchitis, deren Ursache in den kleinen Atemwegen zu suchen ist. Gefährdet sind nach Prof. Jürgen Seidenberg (Oldenburg) vor allem Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, Frühgeborene und Jungen – vor allem nach häufigen respiratorischen Infektionen. In den meisten Fällen geht eine obstruktive Bronchitis nicht in Asthma über. Treten aber Symptome schon im ersten Lebensjahr auf, ist mit einer schlechten Prognose zu rechnen. Daher die Devise: so frühe Diagnose und Therapie wie möglich.
Die Behandlung im Kleinkindesalter mit Inhalationen ist problematisch. Die Applikationsform und die notwendigen häufigen Anwendungen überfordern die Eltern oft und haben eine ungenügende Compliance zur Folge. Bei vier Hüben pro Tag liegt die Therapietreue bei zehn Prozent, sie steigt bei nur zweimal täglicher Anwendung auf 70 Prozent – so Dr. Hans-Georg Bresser (Bielefeld) bei einer Pressekonferenz in Bern. Daher sind gerade im Kindesalter mit einer oralen Therapie meist bessere Ergebnisse zu erzielen.
In einer Studie erwies sich die orale Gabe des Leukotrien-Antagonisten Montelukast bei einer Langzeitbehandlung über 58 Wochen als ebenso erfolgreich wie die Inhalation mit dem stärker wirksamen Kortison. Einer Umfrage zufolge ziehen die meisten Eltern und Kinder die Tabletteneinnahme einer Inhalation vor.
Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten – weltweit sind inzwischen drei Vertreter auf dem Markt – haben zunehmend einen Platz in der Asthmatherapie auch bei Kindern erobert. Sie wirkten antientzündlich und bronchodilatierend, reduzierten die Hyperreaktivität, hemmten die allergische Früh- und Spätreaktion und besserten somit den Asthma-Symptom-Score, stellte Prof. Hans Bisgaard (Kopenhagen) fest. Nächtliche Bronchokonstriktionen nehmen ebenso ab wie Anstrengungsreaktionen. Daher können zusätzliche Bronchodilatatoren und Glukokortikoide eingespart werden.
Seit April steht mit dem Leukotrien-Antagonisten Montelukast in niedriger Dosierung (Singulair® mini 4 mg, MSD Sharp & Dohme GmbH) eine neue Therapieoption für Kinder im Vorschulalter zwischen zwei und fünf Jahren zur Verfügung.
Wie eine placebokontrollierte, doppelblinde Studie zeigen konnte, besserten sich bei den 689 Kleinkindern durch die tägliche Gabe einer Kautablette Montelukast 4 mg die typischen Symptome Giemen, Atemnot und Husten bei Tag und bei Nacht. Außerdem nahm die Zahl der symptomfreien Tage während der zwölfwöchigen Studienzeit zu und – als Zeichen einer verminderten Entzündungsaktivität – reduzierte sich die Zahl der eosinophilen Granulozyten im Blut.
Auch bei Langzeitbehandlung büßte Montelukast nichts von seiner Wirksamkeit ein und erwies sich als gut verträglich. In einer anderen Studie konnte der Leukotrien-Antagonist in der niedrigen Dosierung die Kinder vor einer Kälteluft-Provokation schützen. Bei Monotherapie eignet sich die neue Kautablette als Alternative zu DNCG, dem es in seiner antientzündlichen Wirkung überlegen ist; bei schwerem Asthma wird eine Kombination mit inhalativem Kortison empfohlen. Vorteilhaft ist die fehlende Wechselwirkung mit Nahrungsmitteln und anderen Medikamenten.
Dr. med. Karin Kreutzberg
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