ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Grober Behandlungsfehler: Laborwerte wurden falsch beurteilt

VARIA: Rechtsreport

Grober Behandlungsfehler: Laborwerte wurden falsch beurteilt

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): A-1342 / B-1142 / C-1070

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LNSLNS Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil des Oberlandesgerichts Saarbrücken bestätigt und die Revision nicht angenommen. Danach muss ein Arzt, der Laboruntersuchungen anordnet, die Werte beurteilen und notwendige Schlussfolgerungen daraus ziehen können.
Der Arzt wurde von dem Kläger aufgesucht, der über anhaltend hohes Fieber und Erbrechen klagte. Er vermutete eine Mononukleose (akute Epstein-Barr-Virusinfektion). Doch obwohl die in Auftrag gegebene Laboranalyse die Verdachtsdiagnose objektiv ausschloss, teilte der Arzt dem Kläger nach einer Ultraschalluntersuchung von Milz und Leber mit, der Laborbefund habe den Mononukleoseverdacht objektiviert.
Der Kläger musste sich infolge der Fehldiagnose wegen irreparabler Schädigung der Aortenklappe einer Herzoperation unterziehen. Er kann wegen der ständigen Einnahme blutgerinnender Medikamente nicht mehr sein gewohntes Leben fortführen. Das Oberlandesgericht hat ihm ein Schmerzensgeld von 60 000 DM zugesprochen.
Da Diagnosen oft mit Unsicherheit behaftet sind, liegt die Messlatte besonders hoch, von der ab ein Diagnoseirrtum als schwerer Verstoß gegen die Regeln der ärztlichen Kunst gilt. Es muss sich um ein fundamentales Missverständnis handeln; ein Versehen, das aufgrund eindeutiger Befunde unter keinem Gesichtspunkt entschuldbar ist. Grob fehlerhaft und unentschuldbar war, so das Gericht, dass der Arzt trotz eindeutigem Laborbefund seine Diagnose bestätigt sah und eine objektiv gebotene, weitergehende Differenzialdiagnostik unterlassen hat. (Saarländisches Oberlandesgericht, Urteil vom 21. Juli 1999, Az.: 1 U 926/98-168) Be
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