ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2001Kombi-Produkte: Doppelt gemoppelt lohnt selten

VARIA: Schlusspunkt

Kombi-Produkte: Doppelt gemoppelt lohnt selten

Dtsch Arztebl 2001; 98(20): [92]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Viele Anleger haben in den letzten Wochen und Monaten schmerzlich erfahren müssen, dass auch Investmentfonds bloß mit Wasser kochen. Die oft hochgepriesenen Portfolioverwalter waren selten in der Lage, sich dem Abwärtstrend an den Börsen zu entziehen. Alleine im letzten Jahr verloren die meisten Aktienfonds zwischen 15 und 40 Prozent.
Die Rache der Enttäusch-
ten folgte auf dem Fuße. Die Fondsbranche musste mit enormen Rückflüssen in Mil-
liardenhöhe zurechtkommen, weil Tausende von Sparern ihre Anteile zurückgaben. Und da den Experten klar war, dass die Gelder so schnell nicht mehr zurückfließen würden, wenn nicht was Besonderes geschähe, wurde eben genau diesem Umstand mit einem neuen Produkt Rechnung getragen.
Die Fondsgesellschaften bastelten flugs eine Finanzmarktnovität und priesen diese als das passende Investment in schwierigen Börsenphasen. Die Rede ist von der Koppelung eigentlich zweier Anlageformen zu einem Mischmasch: einerseits Fonds, andererseits hohe Zinsen.
Klar ist, dass es darum geht, zögerliche Anleger zum Schwur, genauer zur Unterschrift zu bringen. Wer bereit ist, den Betrag X teilweise in Fonds zu investieren, kann ein Stück davon hoch verzinst als Tagesgeld oder Festgeld anlegen. Aber eben bitte schön alles zusammen.
Die Sache läuft prächtig. Die Advance Bank legte im März nach eigenen Angaben „sehr erfolgreich“ im Rahmen ihrer Fondsvermögensverwaltung „Masterplan“ als Nachfolgeprodukt das „Garantiedoppel“ auf. Dort kann der Anleger bei einer Mindestanlage von 10 000 Mark zwischen zwei Garantiefonds (Global oder Europa) auswählen und erhält für den Rest – also für den Nichtfondsanteil – eine Verzinsung von 8 Prozent.
Advance-Sprecher Timo Scheil bringt die Sache auf den Punkt. Das Angebot richte sich „an sicherheitsbewuss-
te Anleger, die sich trotzdem gerne wieder an den Aktienmarkt wagen würden“.
Andere Häuser haben längst nachgezogen. Mit unterschiedlichen Namen werden den Leuten prinzipiell gleichartige Anlageformen angedient.
Ob diese Kombi-Produkte den Anlegern wirklich weiterhelfen, ist eher zu bezweifeln. Generell halte ich die Koppelung zweier unterschiedlicher Anlageprodukte immer für problematisch.
Zur möglicherweise fehlenden Transparenz kommt aber bei den heute besprochenen Kombi-Produkten (Fonds & Zins) auch noch ein psychologischer Aspekt. Viele Investoren lassen sich meines Erachtens von den optisch hohen Zinsen verführen. Bei ihrer Begeisterung bleibt völlig außen vor, dass die Ausgabeaufschläge der Fonds den Zinsvorteil vermutlich wieder auffressen oder wenigstens anfressen. Wer schlau ist, geht dem
neuen Produkt also eher aus dem Weg.
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