ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Frankreich: Neue Konzepte

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Frankreich: Neue Konzepte

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1345 / B-1145 / C-1073

Bousingen, Denis Durand de

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LNSLNS Weniger, dafür aber besser ausgebildete Ärzte können die Effizienz der ambulanten Versorgung erhöhen. So sehen es zumindest die größten Ärzteverbände und Versicherer Frankreichs. Begrenzte Leistungen und die Verbesserung der Behandlungsqualität halten sie für die besten Mittel, um die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen zu bremsen. Nach den Ärztestreiks im Winter hatte die Regierung Ärzteverbände, Kammern, Kassen und Versichertenorganisationen beauftragt, Vorschläge für eine Reform der Gesundheitspolitik zu machen.
Künftig sollen sich Ärzte nur noch nach Bedarf niederlassen. Das fordern Ärzte und Gewerkschaften in einem Arbeitspapier. Auch die Kran­ken­ver­siche­rung hält jede fünfte Arztpraxis in den Großstädten für überflüssig. In vielen ländlichen Gebieten herrsche allerdings Ärztemangel. Wer eine unrentable Praxis führt, soll durch finanzielle Anreize motiviert werden, in unterversorgte Gebiete umzuziehen oder eine andere Tätigkeit aufzunehmen. Zudem sollten sich die Ärzte vermehrt um Prävention, die Koordination von Behandlungen und eine regelmäßige Fortbildung bemühen. Dafür sei eine deutliche Erhöhung der ärztlichen Pauschalhonorare nötig. Andererseits soll die Selbstbeteiligung der Patienten von derzeit 30 Prozent für alle Behandlungen auf 10 Prozent reduziert werden.
Zwar sind sich die Beteiligten bewusst, dass eine solche Reform ihren Preis hat: Allein die Honorarerhöhungen, die Reduzierung der Selbstbeteiligung und die Subventionen für die Schließung von Praxen dürften jährlich zehn Milliarden DM kosten. Langfristig sei dies aber eine rentable Investition.
Qualitätspolitik statt Sparpolitik, das ist der springende Punkt, über den jetzt alle Partner des Gesundheitswesens diskutieren sollten. Die Gespräche laufen, die Ärzte bleiben wachsam: Anfang Juni wollen sie erneut streiken, um der Regierung zu zeigen, dass außer der Bildung von Expertengruppen bisher wenig geschehen ist. Denis Durand de Bousingen
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