ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Entzündliches Rheuma: Erfahrungen mit der Stammzelltherapie

AKTUELL: Akut

Entzündliches Rheuma: Erfahrungen mit der Stammzelltherapie

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1349 / B-1149 / C-1077

Rautenstrauch, Julia

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LNSLNS Entzündlich-rheumatische Erkrankungen, wie zum Beispiel der systemische Lupus erythematodes oder die Sklerodermie, sind Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem aus noch ungeklärten Gründen körpereigene Strukturen angreift. Dadurch kommt es zu Entzündungen und Schäden an bindegewebigen Strukturen, Blutgefäßen und inneren Organen. In schwersten, therapieresistenten Fällen setzt man neuerdings eine der Krebstherapie entlehnte Behandlungsmethode ein: die Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Transplantation autologer Stammzellen. An der Berliner Charité sind bereits acht Patienten mit lebensbedrohlichen Autoimmunerkrankungen auf diese Weise behandelt worden. Vier litten an einem systemischen Lupus erythematodes (SLE), drei an einer Sklerodermie und eine an einer Polychondritis, einer seltenen entzündlichen Knorpelerkrankung.

Zwei Jahre nach der Stammzelltransplantation sind drei SLE-Patientinnen und die Patientin mit der Polychondritis noch immer frei von Krankheitszeichen. Die typischen Autoantikörper im Blut sind verschwunden, und die Entzündungsparameter haben sich normalisiert. Der dritte SLE-Patient, ein Mann, hatte zunächst auch eine Remission gezeigt, jedoch 17 Monate später einen Rückfall erlitten. Allerdings sprach er nach der Behandlung wieder auf Medikamente an, die vor dem Eingriff nicht mehr gewirkt hatten. Bei den Sklerodermien war die Transplantation nicht so erfolgreich. Eine Patientin verstarb noch vor dem Eingriff an einer Komplikation ihrer Grundkrankheit, die beiden anderen besserten sich nur vorübergehend. Bei den erfolgreich behandelten Patienten scheint das neue Immunsystem – zumindest vorläufig – die Krankheit nicht weiterzuführen. Offenbar wurden die Lymphozyten erfolgreich eliminiert. Von einer Heilung wagen die Experten aber noch nicht zu sprechen.

Weltweit sind bislang etwa 300 Stammzelltransplantationen bei Autoimmunerkrankungen durchgeführt worden – bei Erwachsenen und auch bei Kindern. Zwei Drittel der Transplantierten gelangten zumindest vorübergehend in eine Remission; einige erlitten zwar ein Rezidiv, waren aber wieder besser behandelbar als vor der Transplantation. Von zwölf in den Niederlanden transplantierten Kindern mit schwerster juveniler Arthritis sind zwei gestorben, sieben sind bisher krankheitsfrei. Wegen der nicht unerheblichen Risiken bleibt die Stammzelltransplantation vorläufig nur lebensbedrohlichen Krankheitsbildern vorbehalten. Dr. med. Julia Rautenstrauch
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