ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Streiter für den freien Beruf

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Streiter für den freien Beruf

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1352 / B-1150 / C-1078

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Prof. Dr. med. Horst R. Bourmer, Chirurg, Urologe und Anästhesist aus Köln-Pesch, starb unerwartet am 20. Mai im Alter von 80 Jahren, zwei Tage vor dem 104. Deutschen Ärztetag, an dem er eigentlich teilnehmen wollte.
Horst Bourmer war Rheinländer, nicht nur von der Geburt her, sondern auch in seiner ganzen Art. Geboren wurde er am 17. August 1920 in Koblenz, mit der Stadt blieb er verbunden, seine Professur verdankte er einer dortigen Hochschule. Er lebte später in Köln, arbeitete in Bonn und in Düsseldorf. Rheinisch war seine Lebensauffassung, er ließ vieles und viele gelten, ohne sich selbst zu vernachlässigen. Wie viele Rheinländer hatte er einen wachen Sinn für entstehende und wechselnde Trends, er wusste sie zu nutzen und mit den eigenen Überzeugungen geschickt zu verbinden. Diese waren nicht zuletzt geprägt durch Lehren aus der jüngeren Geschichte. Er sah den Arzt als freien Beruf und lehnte dessen politische Fremdbestimmung ab.
Bourmer war ein Berufspolitiker, der der Ärzteschaft in vielen Positionen gedient hat, oder besser: der seinen Berufsstand zu repräsentieren wusste. Er war auch Gesundheitspolitiker und hier der CDU verbunden. Diese Verbindungen hat er auch berufspolitisch zu nutzen verstanden. Doch Horst Bourmer hatte sowohl als Berufspolitiker wie auch als Gesundheitspolitiker genügend Abstand, um kühl Interessenlagen zu analysieren – und doch war er immer mit dem Herzen dabei.
Professor Bourmer war von 1972 bis 1989 Vorsitzender des Hartmannbundes (HB), danach dessen Ehrenvorsitzender. Zuvor war er im Marburger Bund aktiv, auch hier an maßgebender Stelle, von 1961 bis 1968 als dessen Zweiter Vorsitzender. Als er in den HB wechselte, war mancher überrascht, doch Bourmer nutzte damals eine personalpolitische Flaute und machte aus dem HB einen auch in der Öffentlichkeit wieder viel beachteten Ärzteverband. Sein Gespür für öffentliche Wirkung und seine Gabe, schlagfertig zu formulieren, kamen ihm zustatten.
Zugleich betätigte sich Bourmer in den Körperschaften. Von 1968 bis 1994 gehörte er der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung an. In Erinnerung bleibt er vor allem aber als Präsident der Ärztekammer Nordrhein, von 1981 bis 1993. Als Kammerpräsident gehörte er zugleich dem Vorstand der Bundes­ärzte­kammer an. In dem war er zuvor, gewählt durch den Deutschen Ärztetag, bereits von 1973 bis 1978 als Vizepräsident vertreten. Auf diese Funktion verzichtete er kurz vor dem 81. Deutschen Ärztetag in Mannheim aus freien Stücken; er dürfte diesen Schritt später bereut haben.
Bourmer nahm eine Reihe von Aufgaben an der Schnittstelle zwischen Ärzteschaft und der Ärzteschaft verbundenen Einrichtungen wahr, insbesondere der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, deren Aufsichtsrat er von 1988 bis 1997 vorsaß. Last but not least: 12 Jahre amtierte er als Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe in Nordrhein-Westfalen (von 1978 bis 1990).
Ein solcher Lebenslauf scheint darauf hinzudeuten, dass Horst Bourmer in erster Linie Vertreter seines Berufes im öffentlichen Leben war. Doch wurde er beruflich sehr stark geprägt von seiner Arbeit als Chirurg und Urologe am Städtischen Krankenhaus in Köln-Worringen, dort war er von 1961 bis 1981 Chefarzt. Als das Krankenhaus schließen musste, gegen Bourmers Widerstand, leitete er drei Jahre lang eine Gemeinschaftspraxis in Worringen. Bourmer galt als guter Operateur, er war ein beliebter und respektierter Chef, der manchem eine Chance gab, selbst auf die Gefahr, hin und wieder enttäuscht zu werden.
Nicht nur durch das äußere Format dominierte Bourmer eine Versammlung, er hatte auch das gewisse Charisma, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mit freundlichem, oft jovialem Auftreten verbarg er Empfindlichkeit und Verletzbarkeit. Er gab sich verbindlich, verfolgte zugleich aber zäh seine Ziele, soweit die in erreichbarer Nähe blieben. Horst Bourmer wurde vielfach und mit höchsten Auszeichnungen geehrt. Der Deutsche Ärztetag verlieh ihm die Paracelsus-Medaille, der Staat das große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.
Dem Deutschen Ärzteblatt war Professor Bourmer als Autor bis in die jüngste Zeit hin verbunden. Nach wie vor aktuell ist sein Aufsatz „Der Sozialstaat überfordert sich selbst“, der am 15. Mai 1992 erschienen ist.
Horst Bourmer in seiner unnachahmlichen Art wird allen, die ihn kannten, sehr fehlen. Norbert Jachertz
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