ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Ärztliche Gutachter: Unheilvolle Rollenverteilung

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Ärztliche Gutachter: Unheilvolle Rollenverteilung

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1388 / B-1180 / C-1107

Beyer, Hans Martin

Zum Beitrag „Berufsbild und Selbstverständnis“ von Dr. med. Wolfgang Hausotter in Heft 12/2001:
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LNSLNS Die im Beitrag erhobenen Vorwürfe und Negativ-Botschaften an die behandelnden Ärzte charakterisieren ein Selbstverständnis des ärztlichen Gutachters, welches nicht dazu beitragen kann, das eingeforderte Vertrauen und Verständnis zwischen den jeweils anderen Positionen zu erzeugen: Die Darstellung untermauert nur mehr die Gründe der bestehenden Missverständnisse und Kommunikationsstörungen. Zur Überwindung dieses Konfliktes bedarf es daher aller Anstrengungen, eine neue, gemeinsame Plattform zu entwickeln.
So kann ärztliche Begutachtung angesichts der veränderten Lebensbedingungen nicht weiter primär am Organ- und Funktionsbefund festgemacht werden, son-dern bedarf heute der Berücksichtigung der hieraus resultierenden Krankheitsfolgen im individuellen Kontext.
Die eigentliche Problematik zwischen den Positionen entsteht daher in der Realität nicht aufgrund „leichtfertiger Bescheinigungen“ oder „einseitiger Parteinahme“, sondern viel häufiger dadurch, dass begutachtende und behandelnde Ärzte die verschiedenen Dimensionen einer Erkrankung oder Störung unterschiedlich wahrnehmen und berücksichtigen.
Die Lösung dieses Problems könnte Gestalt annehmen, gelänge es, gleichsinnig bemüht zu sein, die individuell unterschiedlichen Dimensionen von Funktionsfähigkeit und Behinderung – auf der Grundlage und im Sinne der WHO, dargestellt im ICIDH-2 – zu erfassen und diese entsprechend ihrer individuellen Bedeutung bei der Beurteilung zu berücksichtigen. Hierbei wäre neben „emotionaler Unbestechlichkeit“ allerdings auch „emotionale Kompetenz“ einzufordern.
Dr. med. Hans Martin Beyer, Kobelstraße 2, 87629 Füssen
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