ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Glaukomfrüherkennung – auch ein soziales Problem

MEDIZIN: Referiert

Glaukomfrüherkennung – auch ein soziales Problem

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1398 / B-1189 / C-1115

bt

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LNSLNS Die Grundidee des britischen National Health Service ist es, dass alle Einwohner des Königreichs gleichen Zugang zu seinen Diensten und Angeboten haben. Die Autoren fanden jedoch, dass es zwischen Patienten, die frühzeitig mit Glaukom-symptomen in drei verschiedenen Augenkliniken erschienen, und solchen, die erstmals in einem fortgeschrittenen Stadium kamen, Unterschiede in verschiedenen sozialen Klassifikationen zu finden waren. Ob frühzeitig oder spät, wurde nach einer größeren Zahl klinischer Kriterien beurteilt; von jeder Gruppe wurden 110 Patienten auf soziale Kriterien exploriert. Die größte Rolle spiel-
te die Zugehörigkeit zu Berufsklassen: Im mittleren Bereich – Facharbeiter und -angestellte – war die Differenz zwischen den beiden Gruppen mit 56 zu 42 geringer als bei angelernten oder ungelernten Arbeitern: 22 zu 48. Ähnliche Differenzen gab es bei der Ausbildung: Von frühen Schulabgängern (jünger als 14 Jahre) kamen nur vier in einem frühen Krankheitsstadium; bei denen, die über das 18. Lebensjahr hinaus in Ausbildung gewesen waren, waren es 20 zu 4. Besitz oder Verfügbarkeit eines Autos ist in Großbritannien noch immer ein soziales Kriterium: 73 Autofahrer kamen frühzeitig, 48 spät; bei den Nichtautofahrern waren 37 Frühpatienten, 62 hingegen kamen im fortgeschrittenen Stadium. Auch Mieter von Sozialwohnungen sprachen fast doppelt so häufig wie Hausbesitzer oder Privatmieter erst im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium in der Augenklinik vor. Der Zugang zu einer solchen Klinik setzt eine Überweisung durch den Hausarzt voraus, die dieser allerdings meist erst nach einem Sehtest beim Optiker ausstellt. Einen direkten Zugang zum Augenarzt gibt es nicht. Den Autoren fiel auf, dass unter den 220 Patienten nur 33 aus den obersten beiden Gruppen der Berufsskala (Freiberufler und Managerebene) stammten, von denen nur einer Spätpatient war. Es gibt allerdings keine Möglichkeit, zu ergründen, wieweit es in dieser „Klasse“ üblich ist, aus dem Health Service in die private Versorgung auszuweichen. Andererseits bleibt auch noch offen, ob und wieweit sozialer „Stress“ die Aggressivität der Glaukomerkrankung fördert. bt

Fraser S, Bunce C, Wormald R, Brunner E: Deprivation and late presentation of glaucoma: case-control study. Br Med J 2001; 322: 639–643.

Richard Wormald, Glaxo Department of Ophthalmic Epidemiology, Institute of Ophthalmology, University College London, London ECIV 2PD, Großbritannien r.wormald@ucl.ac.uk

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