ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Das Reizdarmsyndrom: Selbsthilfegruppen und psychotherapeutische Verfahren

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Das Reizdarmsyndrom: Selbsthilfegruppen und psychotherapeutische Verfahren

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1403 / B-1194 / C-1120

Häuser, Winfried

zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Jürgen Hotz Dr. med. Ahmed Madisch Prof. Dr. med. Paul Enck Prof. Dr. med. Harald Goebell Dr. rer. nat. Inge Heymann-Mönnikes Prof. Dr. med. Gerald Holtmann Prof. Dr. med. Peter Layer in Heft 48/2000
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LNSLNS Es ist dem praxisgerechten Beitrag zu wünschen, dass seine Empfehlungen in der ärztlichen Versorgung vermehrt berücksichtigt werden. Die Diagnose eines Reizdarmsyndroms (RDS) erfolgt bei manchen Patienten erst nach langer Symptomdauer und medizinischer Über- und Mehrfachdiagnostik. Häufig werden wissenschaftlich nicht erwiesene Behandlungsverfahren wie Antimykotika oder „Antipilzdiäten“ eingesetzt (4). Nach internationalen Empfehlungen sollte die Behandlung des RDS in Abhängigkeit des Schweregrads erfolgen (1). Dieser lässt sich anhand der subjektiven Beeinträchtigungen durch die Symptomatik in
Alltagsfunktionen, der Beschwerdekonstanz und -intensität, der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, des Vorliegens psychischer Komorbidität und psychometrisch erfas-
sen (1). Patienten mit leichtgradigem RDS (70 Prozent der RDS-Patienten) lassen sich mit dem von den Autoren genannten Vorgehen im primärärztlichen Bereich im Sinne einer psychosomatischen Grundversorgung suffizient behandeln (1, 4). Der Hinweis auf Selbsthilfegruppen und -organisationen sowie auf patientengerechte Informationen, auch im Internet (4), sollte in den Allgemeinmaßnahmen enthalten sein. Bei mittelschweren und schweren Formen des RDS findet sich fast regelhaft eine psychische Komorbidität (42 bis 61 Prozent der Patienten in der Sekundär- und Tertiärversorgung) (2), welche eine frühzeitige ambulante, psychiatrisch psychotherapeutische Behandlung erforderlich macht. Im Gegensatz zu den Behauptungen der Autoren bezüglich der unsicheren Wirksamkeit der Hypnose beim RDS – welche durch eine Arbeit aus dem Jahre 1997 belegt wird, die zwei neuere methodisch anspruchsvolle Studien zur Hypnose beim RDS nicht berücksichtigt (3) – kommen aktuelle Empfehlungen (Rome II) zu der Schlussfolgerung, dass alle von den Autoren genannten Psychotherapieverfahren gleich wirksam sind (2). Schwere Formen des RDS (fünf Prozent der RDS-Patienten) soll-
ten durch multimodale Therapieprogramme in interdisziplinären psychosomatischen beziehungsweise schmerztherapeutischen Zentren behandelt werden (1).

Literatur
1. Drossmann DA: Review article: an integrated approach to the irritable bowel syndrome. Aliment Pharmacol
Ther 1999; 18 (Suppl 2): 3–14.
2. Drossmann DA, Creed FH, Olden KW, Svedlund J, Toner BB, Whitehead WE: Psychosocial aspects of the functional gastrointestinal disorders. Gut 1999; 45 (Suppl II): II25–II30.
3. Häuser W: Reizdarmsyndrom. In: Revenstorf D, Peter B: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medi-
zin. Manual für die Praxis. Berlin, Heidelberg: Springer 2000; 582–593.
4. Stiefelhagen P: Patient mit Reizdarmsyndrom. Ein Fall für den Hausarzt. MMW-Fortschr Med 2000; 42: 4–8.

Dr. med. Winfried Häuser
Medizinische Klinik I (Gastroenterologie, Hepatologie, Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten, Psychosomatik)
Klinikum Saarbrücken
Am Winterberg 1, 66119 Saarbrücken

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