ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Das Reizdarmsyndrom: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Das Reizdarmsyndrom: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1405 / B-1171 / C-1095

Hotz, Jürgen; Heymann-Mönnikes, Inge

zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Jürgen Hotz Dr. med. Ahmed Madisch Prof. Dr. med. Paul Enck Prof. Dr. med. Harald Goebell Dr. rer. nat. Inge Heymann-Mönnikes Prof. Dr. med. Gerald Holtmann Prof. Dr. med. Peter Layer in Heft 48/2000
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LNSLNS Dem Kommentar von Dr. Schade ist entgegenzuhalten, dass Aerophagie eher ein Begleitsymptom der funktionellen Dyspepsie (Reizmagen) ist, welches sicherlich in vielen Fällen (circa 30 Prozent) mit dem RDS assoziiert sein kann. Der therapeutische Nutzen einer Polysiloxantherapie beim RDS wie auch bei der
Aerophagie ist umstritten, wie in unserem Beitrag ausgeführt.
Dem Beitrag von Dr. Engelhardt ist zu erwidern, dass der sichere Nachweis einer Pankreasinsuffizienz beispielsweise durch Herabsetzung der Elastase-1-Konzentration im Stuhl definitionsgemäß
ein RDS ausschließt, wenn auch beide Krankheitsbilder gemeinsam sehr selten vorkommen können. Vielmehr erscheint uns aber die Möglichkeit gegeben, dass es sich um eine falschpositive Bestimmung des Pankreasenzyms im Stuhl handelt, da die exokrine Pankreasinsuffizienz infolge chronischer Pankreatitis relativ selten ist (ein praktizierender Arzt wird in seinem Berufsleben statistisch nur dreimal eine chronische Pankreatitis mit Pankreasinsuffizienz in seiner Praxis betreuen!). Außerdem spielen Virusinfekte für die Genese einer chronischen Pankreatitis nachweislich keine relevante Rolle. Wenn eine Enzymsubstitution beim Reizdarmsyndrom symptomatisch anspricht, dürfte es sich wohl eher um einen Placeboeffekt handeln. Bei extremer funktioneller Diarrhöe könnte noch eine postzibale Asynchronie als Ausdruck einer leichten Maldigestion diskutiert werden.
Wir sind Prof. Henninghausen dankbar, dass er als Pharmakologe den Begriff „Muskelrelaxanzien“ anstelle von krampflösenden Mitteln im Zusammenhang mit der Besprechung von Spasmolytika moniert. Wie er richtig vermutet, hat sich dieser Begriff durch Übersetzung aus der angloamerikanischen Literatur leider eingeschlichen. Der Fehler erscheint uns aber nicht allzu gravierend, da letzten Endes die Wirkung von Spasmolytika auf die Erschlaffung, also Relaxation der Muskulatur zurückzuführen ist und es ist sicherlich jedem Leser klar, dass nicht die quer gestreifte Muskulatur, sondern die autonom gesteuerte glatte Muskulatur des Darms gemeint ist. Trotzdem begrüßen wir natürlich nachhaltig die Richtigstellung auch für die Leitlinien der DGVS.
Herrn Becker-Brüser ist zu erwidern, dass in unserem Übersichtsartikel – abgestuft nach wissenschaftlicher Evidenz ihrer Wirksamkeit – eine differenzierte Auswahl von medikamentösen Möglichkeiten nach den Leitsymptomen geordnet (wofür wir übrigens von vielen Seiten viel Lob bekommen haben) und nicht etwa eine bloße Aneinanderreihung von Behandlungsstrategien wiedergegeben wurde. Der Einwand, dass Alosetron (Lotronex) – nachdem die Substanz die Zulassungshürden für den Wirkungsnachweis und ein sicheres Nebenwirkungsspektrum in den USA zunächst genommen hatte – im Nachhinein in den USA vom Markt genommen und danach die Aktivitäten für eine Vermarktung durch die Firma Glaxo Wellcome in Europa gestoppt wurden, ist richtig. Dieser Tatsache konnte in unserem Beitrag naturgemäß nicht Rechnung getragen werden, da diese Zusammenhänge erst nach Fertigstellung unseres Manuskripts bekannt wurden. Insofern ist unsere Zusammenstellung durch die nachträgliche Bekanntgabe an dieser Stelle zu ergänzen.
In ähnlicher Weise bestätigen wir den Hinweis von Dr. Helmerich-Becker, dass nach Abfassung unseres Manuskripts Cisaprid wegen kardialer Nebenwirkungen weltweit vom Markt genommen wurde. Trotzdem erscheint es uns wichtig, dieses medikamentöse Prinzip eines Prokinetikums bei der Therapie des RDS auch unter diesen Umständen zu besprechen, da neue dem Cisaprid ähnliche Substanzen auf den Markt drängen, wie beispielsweise Itaprid, Prucaloprid oder Renzaprid.
Es ist richtig, dass Tegaserod ein partieller 5-HT4-Rezeptoragonist ist, jedoch mit unterschiedlichem pharmakologischen Wirkprofil im Vergleich zu Cisaprid – kardiale Nebenwirkung wie Herzrhythmusstörungen sind von diesem Präparat bisher nicht beobachtet worden.
Wir teilen nicht die zitierte Auffassung von Dr. Häuser, dass alle genannten Psychotherapieverfahren in gleichem Maße wirksam sind. Eine solche Aussage kann nur durch vergleichende Studien gestützt werden, die bisher nicht vorliegen. Der Nachweis der Wirksamkeit beim RDS ist für die verschiedenen Psychotherapieverfahren nicht in gleichem Maße erbracht worden. Die von Drossman et al. vertretene Auffassung, dass eine metaanalytische Auswertung der verfügbaren Daten und somit eine differenzierte Beurteilung der Wirksamkeit verschiedener Behandlungsansätze nicht möglich ist, teilen wir nicht. Eine von uns durchgeführte Metaanalyse unterstützt vielmehr die von uns vertretene Auffassung (1). Hinsichtlich der Hypnotherapie sind tatsächlich in jüngster Zeit zwei Studien erschienen, die auf eine Wirksamkeit dieser Behandlung beim RDS hindeuten. Allerdings ist aufgrund der nach wie vor schmalen Datenbasis für dieses Verfahren eine weitere Absicherung in Zukunft nötig.
Literatur
1. Heymann-Mönnikes I, Arnold R, Florin I et al.: The combination of medical treatment plus multicomponent behavioral therapy is superior to medical treatment alone in the therapy of irritable bowel syndrome. Am J
Gastroenterol 2000; 95 (4): 981–984.

Prof. Dr. med. Jürgen Hotz
Klinik für Gastroenterologie
Allgemeines Krankenhaus Celle
Siemensplatz 4, 29223 Celle
Dr. rer. nat. Inge Heymann-Mönnikes, Berlin

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