ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Neurofeedback: Mit der Maus gegen Tics

VARIA: Technik

Neurofeedback: Mit der Maus gegen Tics

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): A-1412 / B-1178 / C-1102

Müllges, Kay

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LNSLNS Die orangefarbene Maus der gleichnamigen WDR-Sendung für Kinder flimmert nicht nur über die Fernsehschirme, sondern in einem Pilotprojekt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Göttingen auch über Bildschirm eines PC. Das Besondere dabei: die kleinen Patienten bewegen die Zeichentrickmaus nicht mit Computer(maus) oder Joystick, sondern mit der Kraft ihrer Gedanken.
Neurofeedback heißt das Zauberwort und mit seiner Hilfe können die jungen Probanden die Maus auf dem Computerbildschirm bewegen, einen Luftballon aufblasen oder sie mit dem Elefanten Tandem fahren lassen. „Vor allem in den USA ist das Neurofeedback bei der Behandlung von Aufmerksamkeits- oder Hyperaktivitätsstörungen zurzeit sehr beliebt“, erläutert Dr. Gunter Moll. „Allerdings gibt es bis heute keine kontrollierte, klinische Studie, die untersucht, wie gut der therapeutische Nutzen wirklich ist und warum die Methode überhaupt wirkt.“
Göttinger
Feedbacksystem
Auch diesem Defizit wollen die Göttinger Wissenschaftler zu Leibe rücken. Zunächst einmal geht es ihnen aber um die Demonstration der Möglichkeiten des Verfahrens. Was bei Epilepsie-Patienten bereits wirkt – das gezielte Training bestimmter EEG-Funktionen – das, so ihre Überlegung, müsste auch bei Hyperaktivitätsstörungen oder so genannten Tics im Prinzip funktionieren. Denn dabei sind bestimmte Steuerungs- und Regulationsmechanismen im zentralen Nervensystem gestört.
Das Computerprogramm heißt GoeFi (was so viel wie Göttinger Feedbacksystem bedeuten soll) und auch die virtuellen Spielfiguren werden Goefis genannt.
Äußerlich unterscheidet es sich zunächst nicht von herkömmlichen Neurofeedback-Programmen. Der Patient ist über Elektroden an seinem Kopf mit dem Computer verbunden. Die Hirnströme als Signale in GoeFi werden abgeleitet und verstärkt. Durch gezielte, mentale Anstrengung kann der Patient oder Proband sein EEG-Potenzial so verändern, dass die Maus beispielsweise auf dem Bildschrim nach oben wandert. Anders als normale Programme ist GoeFi aber auch in der Lage so genannte langsame kortikale Potenziale zu messen und zu verändern. Diese scheinen insbesondere bei Aufmerksamkeitsstörungen eine wichtige Rolle zu spielen.
Kindgerechte Programme
Außerdem können mit GoeFi kind- und jugendlichengerechte Feedback-Programme genutzt werden. Ein speziell für dieses Feedback-Programm entwickelter EEG-Verstärker macht GoeFi darüber hinaus zu einem einfach zu bedienenden, simplen und robusten System, das sich in gar nicht so ferner Zukunft auch für den Einsatz beim niedergelassenen Arzt eignen wird. Mindestens zwanzig Trainingseinheiten von jeweils einer Stunde Dauer müssten Patienten mit GoeFi absolvieren, um ihre Konzentrationsfähigkeit zu verbessern, schätzen die Göttinger Forscher.
Bis Mitte dieses Jahres sollen die ersten Testreihen abgeschlossen sein. Dann, so die Hoffnung der Wissenschaftler, werde man auch mehr über die zugrundeliegenden Wirkmechanismen sagen können. Kay Müllges
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