ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2001Zu Schweizer Konten: Fettanteil 30 Prozent

VARIA: Schlusspunkt

Zu Schweizer Konten: Fettanteil 30 Prozent

Dtsch Arztebl 2001; 98(21): [88]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Das Schweizer Bankgeheimnis ist nicht in Gefahr. Wir werden es verteidigen wie ein Löwe. Die Anleger sind bei uns so sicher wie in Abrahams Schoß.“ Wer zu solchen Verbalakten greifen muss, hat es offenbar richtig nötig. Oder Angst.
Wahr ist wohl, dass die Eidgenossen in letzter Zeit ziemlich in die Bredouille geraten sind. Sie würden, so die internationalen Vorwürfe, Geldwäsche im großen Stil unterstützen. Zu viele dubiose Diktatoren aus jedwedem Winkel der Welt hätten in der Züricher Bahnhofstraße ihre Schäfchen ins Trockene gebracht, die Verarmung des Volkes praktisch unter Mithilfe der Banker vollzogen.
Derlei Vorwürfe sind freilich nicht neu. Und um Geldwäsche geht es im Grunde bei der Diskussion um das Bankgeheimnis auch gar nicht. Die Finanzbehörden sind vielmehr an den Billionen interessiert, die seit Jahren auf Schweizer Konten still und heimlich vor sich hin rentieren, ohne dem Kaiser das zu geben, was des Kaisers ist.
Nun gibt es aber, worauf viele Anleger bisher gar nicht so geachtet haben, den so genannten „Beschluss von Feira“. In diesem portugiesischen Ort haben nämlich die EU-Finanzminister vor einem Jahr abgesprochen, dass die Zinsen in Europa harmonisiert werden sollen. Damit haben die Schweizer im Prinzip eigentlich nichts zu tun, aber eben nur de jure.
De facto will es das kleine Alpenland mit der großen EU nicht verderben und ist deswegen auch zu Kompromissen in der Zinsbesteuerung bereit.
Bürger Europas, die ihr Geld auf Schweizer Konten bunkern, sollen nicht mehr ungeschoren davonkommen. So lauten zumindest die Absichtserklärungen sowohl des schweizerischen Finanzministers Kaspar Villiger wie auch die des EU-Steuerkommissars Fritz Bolkestein.
Bei allen wild entschlossenen Beteuerungen, das Bankgeheimnis zu gefährden, soll aber tatsächlich doch das Kapital an der Quelle besteuert werden. Die dem Fiskus zustehenden Steuern würden den Planungen zufolge also direkt vor Ort einbehalten.
Kurzum: Das helvetische Bankgeheimnis ist zwar nicht in Gefahr und auch nicht löcherig wie ein Schweizer Käse. Aber der Fettanteil für den Fiskus aus Zinserträgen droht alsbald Realität zu werden. Vielleicht gar 30 Prozent? Das wären aber magere Zeiten für Anleger. N
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