ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Endokrinologie: Düstere Perspektiven für das Fachgebiet

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Endokrinologie: Düstere Perspektiven für das Fachgebiet

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1433 / B-1217 / C-1145

EB

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LNSLNS Millionen Menschen in Deutschland sind auf eine qualifizierte Behandlung von hormonellen Erkrankungen angewiesen. Mindestens sechs Millionen Patienten leiden an Diabetes, zehn Millionen an Osteoporose und mehr als 20 Millionen an einer Schilddrüsenvergrößerung. Die qualifizierte Behandlung dieser Erkrankungen sei jedoch in Gefahr, warnte Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger (Universität Frankfurt/Main) auf einer Pressekonferenz der Deutschen Endokrinologischen Gesellschaft (DGE) in Frankfurt/M. Ein wichtiger Grund für den drohenden Zusammenbruch der Versorgung sei die „Austrocknung“ des Fachs Endokrinologie an den Universitäten. Immer mehr endokrinologische Lehrstühle gingen verloren, und immer weniger Ärzte sähen während ihrer Ausbildung Patienten mit Hormonstörungen. Als eine der Ursachen sah Schumm-Draeger die Tatsache, dass die meisten endokrinologischen Patienten ambulant diagnostiziert und behandelt werden können: „Da kaum mehr Endokrinologen ausgebildet werden, ist jedoch mittelfristig auch die ambulante Versorgung der Betroffenen in Gefahr.“

Um Abhilfe zu schaffen, hat Schumm-Draeger im Auftrag der DGE das Konzept der Integrationsversorgung entwickelt. Diese soll eine lückenlose Betreuung von Patienten mit Hormonstörungen einschließlich Diabetes gewährleisten. Eine enge Verzahnung zwischen Universitätskliniken, endokrinologischen Schwerpunktpraxen und endokrinologisch geschulten Hausärzten soll eine konstant hohe Qualität der Diagnostik und Therapie auf dem jeweils fachlich und wirtschaftlich angemessenen Niveau garantieren. Derzeit laufen Verhandlungen mit den Vertretern der Krankenkassen, wie das Konzept finanziell umgesetzt werden könnte. Aus Sicht der AOK sollten sich niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser, die an der Integrationsversorgung teilnehmen wollen, zu einer GmbH zusammenschließen. Diese könne dann den entsprechenden Vertrag mit der Krankenkasse schließen.

Nach Angaben von Schumm-Draeger könnte das Integrationskonzept bereits Ende des Jahres als Modellvorhaben im Raum Frankfurt/M. auf seine Praxistauglichkeit getestet werden. Nach Etablierung der Integrationsversorgung in der Inneren Medizin sollen baldmöglichst auch Disziplinen in das Konzept eingebunden werden, in denen endokrinologische Krankheitsbilder einen breiten Raum einnehmen – wie die Gynäkologie und die Kinderheilkunde. Prof. Martin Grußendorf (Stuttgart) unterstrich die Dringlichkeit einer Verbesserung der endokrinologischen Versorgung mit einem Zahlenbeispiel. In Deutschland gebe es zwar 2 300 Kardiologen, 34 000 Internisten ohne Schwerpunkt, aber nur 282 Endokrinologen, von denen lediglich 76 endokrinologische Fachpraxen betrieben werden. Demgegenüber seien in Frankreich zwischen 5 000 und 6 000 Endokrinologen niedergelassen. EB
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