ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Charité Berlin: Medizinstudium digital?

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Charité Berlin: Medizinstudium digital?

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1436 / B-1220 / C-1124

Arnold, Ulrike; Langkafel, Peter

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LNSLNS Eine Umfrage hat untersucht, wie Studierende der Medizin neue Medien und E-Learning nutzen und was sie von den neuen Lernformen erwarten.

Studierende des ersten vorklinischen und ersten klinischen Semesters an der Charité, Berlin, wurden in einer repräsentativen Umfrage (N= 282) im Wintersemester 2000/01 nach ihrer Computer- und Internet-Nutzung und ihren Grundeinstellungen hierzu befragt.
Ergebnisse: 57,8 Prozent der Studienanfänger nutzen einen PC und das Internet mehrmals in der Woche und arbeiten in fast zwei Drittel der Fälle am eigenen Computer. 12,6 Prozent der Befragten nutzen den Computer zur Zeit noch gar nicht. Das Lernen mit dem Internet kennt über die Hälfte der Studienbeginner nicht (55 Prozent). Nur 0,6 Prozent von ihnen geben an, regelmäßig mit CD-ROMs zu lernen. Nach dem Physikum studieren aber bereits 23,9 Prozent mit CD-ROMs. Der Anteil der Studierenden, die keinen Computer nutzen, fällt mit 8,4 Prozent sehr gering aus. Fast zwei Drittel der Studienanfänger (62,7 Prozent) verfügen über einen eigenen Computer.

Erstimmatrikulierte
Die von den Studienanfängern verwendeten Computer sind nahezu alle mit einem CD-ROM-Laufwerk und zu zwei Dritteln mit Modem und Soundkarte ausgestattet. Die Frage nach der Geschwindigkeit der eigenen Internet-Verbindung konnten 34,9 Prozent der Befragten nicht beantworten. Unterstellt man, dass diese Gruppe das Internet nutzt, so addiert sich der Anteil der Internet-Nutzer auf 71,9 Prozent.
Im Online-Bereich wird von den Studierenden am häufigsten das World Wide Web genutzt, dicht gefolgt von E-Mail (60,8 Prozent). Nur wenige Studenten nutzen Newsgroups (8,5 Prozent) und Mailinglisten (3,3 Prozent) regelmäßig.
Im Offline-Bereich steht die Textverarbeitung an erster Stelle (83,3 Prozent). Es folgen Spiele (30,1 Prozent), Grafik- und Bildbearbeitung (22,9 Prozent) und Tabellenkalkulation (21,6 Prozent). An letzter Stelle rangiert mit 19 Prozent Lernsoftware. Der Computer wird im Offline-Bereich intensiver genutzt als online. So schalten 33,7 Prozent den Computer mehrmals in der Woche an, jedoch gehen nur 17,8 Prozent mehrmals in der Woche online.
Das Lernen im Internet ist mehr als der Hälfte der Erstimmatrikulierten unbekannt. Über erste Nutzungserfahrungen verfügen nur 9,5 Prozent. Anders stellt sich die Situation für das Lernen mit CD-ROMs dar. Nur 14,2 Prozent kennen CD-ROM-Lernmedien bisher nicht. Genutzt wurde diese Form des Lernens bereits von 43,8 Prozent der Befragten. Schon einmal von den beiden Lernmöglichkeiten gehört hat etwas mehr als ein Viertel der Studierenden. Regelmäßig werden die neuen Lernmedien nur praktisch nicht genutzt (Grafik 1).
Bei den Studienanfängern sind hohe Erwartungen mit den neuen Lernformen verbunden. Sehr starke Zustimmung erhält die Aussage, dass mit den neuen Lernmedien die Qualität der medizinischen Ausbildung deutlich verbessert werden kann. Ein Viertel der Studierenden stimmt dieser Aussage völlig zu. Ähnlich positive Werte werden für eine künftige Zunahme des Anteils computerunterstützter Lernformen im Studium vergeben (Grafik 2).
47,3 Prozent der Studierenden wünschen sich, dass der Anteil des computer- und internetbasierten Lernens „16 bis 30 Prozent“ einnimmt. 26,6 Prozent setzen die Marke bei 1 bis 15 Prozent. Nur vier Prozent der Studierenden wollen überhaupt nicht mit neuen Medien lernen.
Fortgeschrittene Semester
Der Anteil der Studierenden mit eigenem Computer liegt im ersten klinischen Semester um zwölf Prozent höher. Der Anteil der Nichtnutzer ist von 8,4 auf 2,7 Prozent gesunken. Fast verdoppelt hat sich die Computernutzung an der Universität. Sie ist von 17,5 auf 34,8 Prozent angestiegen.
Fast allen Studierenden im ersten klinischen Semester sind Lernprogramme auf CD-ROM ein Begriff. Die Hälfte nutzt sie selten, 23,9 Prozent häufig und 15,9 Prozent regelmäßig. Insgesamt haben also 89,4 Prozent der Studierenden bereits mit Lernprogrammen gearbeitet. Kaum Unterschiede gibt es bei der Nutzung von Internet-Kursen. Der großen Mehrzahl der Studierenden (etwa 80 Prozent) ist diese Lernform auch im fortgeschrittenen Studium unbekannt – nur die gelegentliche Nutzung ist leicht gestiegen (von 9,5 auf 15 Prozent).

Fazit
Bei den Studierenden sind gute Voraussetzungen für das künftige Lernen mit PCs vorhanden. Sehr positive Einstellungen zum Lernen mit neuen Medien ergeben sich aus den großen Erwartungen und Hoffnungen. Lernen im Internet ist praktisch noch unbekannt, von der Seite der Internet-Vorkenntnisse her sind aber wenig Probleme zu erwarten. E-Learning steht damit im Anfangsstadium in der Medizin. Nähere Informationen zur Studie sind abrufbar unter www.charite.de/bbeo. Ulrike Arnold,
Peter Langkafel

Informationen: Berlin Biomedical Exchange Office (BBEO), Lehrgebäude, Virchow-Klinikum der Charité, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
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