ArchivDeutsches Ärzteblatt38/1996Studie zu Terazosin und Finasterid: Zwei Wirkstoffe im direkten Vergleich

SPEKTRUM: Akut

Studie zu Terazosin und Finasterid: Zwei Wirkstoffe im direkten Vergleich

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Zur Therapie der benignen Prostatahyperplasie (BPH) stehen mit Terazosin und Finasterid seit kurzem zwei Medikamente mit unterschiedlichem Wirkmechanismus zur Verfügung. Terazosin (Abbot) hemmt die alpha-1-adrenergen Rezeptoren und bessert die obstruktive Uropathie durch Relaxation der glatten Muskelzellen in Blase und Prostata. Finasterid (Merck) blockiert die Umsetzung von Testosteron in das zehnfach stärkere Dihydrotestosteron und führt so zu einer Schrumpfung der hormonabhängigen Vorsteherdrüse. Obwohl die Wirkung von Terazosin und Finasterid durch klinische Studien belegt ist, werden sie bisher - auch aus Kostengründen - zurückhaltend eingesetzt. Daher waren die Hersteller gerne bereit, die Veterans Affairs Cooperative Studies Benign Prostatic Hyperplasia Group bei der Durchführung einer großen Vergleichsstudie zu unterstützen, an der von Dezember 1992 bis März 1994 über 1 000 Männer mit BPH teilnahmen.


Sie erhielten entweder Plazebo, Finasterid 5 mg/ die, Terazosin 10 mg/die oder eine Kombination beider Mittel. Für die Hersteller von Finasterid war das Ergebnis eine herbe Enttäuschung (NEJM 335, 8, Seite 533539). Denn die Substanz war nicht nur dem Konkurrenzpräparat, das seit 1985 als Antihypertonikum verfügbar ist, im direkten Vergleich deutlich unterlegen. Finasterid konnte sich auch gegenüber Plazebo nicht durchsetzen. Weder im Symptomindex der American Urological Association noch in der Uroflowmetrie war das teure Medikament (die monatlichen Therapiekosten liegen bei 100 Mark) besser als gar keine Behandlung. Dagegen verbesserte Terazosin den "urinary peak flow" (UPF) um 2,7 ml/sek und den Symptomindex um 6,1 Punkte. In einem Kommentar (NEJM 335, 8, Seite 586-587) weist Patrick Walsh von der Johns Hopkins Klinik in Baltimore darauf hin, daß die Wirksamkeit von Finasterid in früheren Studien deutlich belegt worden sei.


Das jetzige Versagen sei im Design der Studie begründet. In den früheren Studien waren nur Männer mit nachgewiesener Prostatavergrößerung eingeschlossen worden. Bei der Veteranenstudie reichte es, wenn die Patienten Symptome hatten und der UPF herabgesetzt war. Beschränkt man die Veteranenstudie auf die Patienten mit einem Prostatavolumen von über 50 ml, so führt auch Finasterid zu einer Besserung von Symptomindex (um 2,9 Punkte) und UPF (um 2,5 ml/sek). Allerdings ist das Mittel auch hier deutlich schwächer als Terazosin, das in der gleichen Untergruppe den Symptomindex um 5,8 Punkte und den UPF um 3,9 ml/sek verbesserte. Rüdiger Meyer

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