ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Menschenrechte: Einzig und allein dem Eid verpflichtet

BRIEFE

Menschenrechte: Einzig und allein dem Eid verpflichtet

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1487 / B-1268 / C-1191

Grunert, Christine

Zu den Leserbriefen in Heft 12/2001, die sich auf den Beitrag „Notfall Menschenrechte“ von Torsten A. Lucas in Heft 5/2001 bezogen:
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LNSLNS Bei der Begutachtung der Reisefähigkeit sind Ärzte einzig und allein ihrem Eid verpflichtet und haben nicht die Aufgabe, bei der „Durchsetzung von Recht und Ordnung“ behilflich zu sein, wie es Herr Angstenberger in seinem Leserbrief ausdrückt. Inwieweit die Behandlung einer Traumatisierung im Heimatland oder in Deutschland erfolgen muss, ist eine Frage des Einzelfalls. In vielen Ländern erlaubt bereits die bestehende politische Situation eine Behandlung nicht, so etwa, wenn die Behandlungszentren und ihre Klienten geheimdienstlich überwacht werden.
Die Rückkehr in den Heimatstaat, in dem das traumaauslösende Ereignis stattgefunden hat, und die damit verbundene Konfrontation mit dem Trauma ist allenfalls Patienten zuzumuten, die zuvor hinreichend stabilisiert worden sind. Andernfalls führt eine Traumaexposition, zumal wenn sie durch eine Abschiebung erzwungen wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Retraumatisierung, das heißt einer Verschlechterung der Symptomatik bis hin zur Suizidalität. Die eigentliche Traumaarbeit im Sinne einer Traumaexposition und Verarbeitung des Traumas ist bei Patienten mit einer PTSD, die über Jahre mit kurzfristigen Aufenthaltstiteln in der Angst vor Abschiebung leben, in der Regel nur schwer möglich.
Christine Grunert, Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm, Böblinger Straße 30 a, 89077 Ulm
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