ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Geburtshilfe: Weitere Maßnahmen erforderlich

BRIEFE

Geburtshilfe: Weitere Maßnahmen erforderlich

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1490 / B-1270 / C-1193

Petersen, Eiko E.

Zu dem Medizinreport „Frühgeburt durch pH-Selbstkontrolle vermeiden“ von Dorothee Hahne in Heft 12/2001:
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LNSLNS Dieser Bericht über Arbeiten von Prof. Saling weckt Hoffnungen, die weder durch die vorgelegten Zahlen noch durch die Erfahrung anderer belegt sind. Es wäre zu schön, wenn die Frühgeburtsvermeidung so einfach wäre.
Mit der pH-Messung werden nur massive bakterielle Störungen der Vaginalflora erfasst (bakterielle Vaginose/Aminvaginose), aber viel häufiger beteiligt an der Frühgeburt sind Frauen mit Mischflora, die durch die pH-Messung nicht oder kaum erfasst werden, wie wir 1986 im J Obstet Gynaecol. 6, S1, 14-16 schon gezeigt haben. Auch führt die Behandlung nur der bakteriellen Vaginose/Aminvaginose, wie die Arbeit von C. Carey et al. im New England Journal of Medicine im Februar 2000 zeigt, zu keiner signifikanten Senkung der Frühgeburtlichkeit. Auch die im Bericht genannten Zahlen überzeugen nicht. In der Erfurter Studie wird ein Kollektiv von 381 Frauen aus 16 von 29 Erfurter Frauenarztpraxen, die bereit waren, an der pH-Selbstkontroll-Studie teilzunehmen, verglichen mit den restlichen nicht teilnehmenden 2 300 Frauen. Im Kollektiv der teilnehmenden Frauen lag die Frühgeburtenrate mit 8,1 % immer noch höher als die Frühgeburtenrate in Deutschland mit circa 7 %. Auch die Zahl von 12,3 % in der Kontrollgruppe lag deutlich darüber.
Ebenso ist es mit den anderen Zahlen. Die Rate sehr kleiner Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1 500 g wird in einer Studie von 7,8 % vor der pH-Wert-Selbstbestimmung auf 1,3 % gesenkt. Die erreichte Senkung auf 1,3 % liegt aber immer noch höher als der Bundesdurchschnitt mit 1 %. Es bleibt unklar, ob die Frauen aus dem Kollektiv mit 1,3 % früher Frühgeburtlichkeit aus dem ursprünglichen Kontrollkollektiv mit 7,8 % stammen oder ob es sich um verschiedene Kollektive handelt. Die so genannte Zervixinsuffizienz, die heute durch die Ultraschallbeur-teilung der Zervixlänge und
-form frühzeitig erkannt werden kann, spielt zusammen mit der Besiedlung der Vagina eine wichtige Rolle bei der Frühgeburtlichkeit. Bei Risikopatientinnen sind daher neben der Normalisierung, Antibiotikagaben und engmaschige Kontrollen erforderlich.
Prof. Dr. med. Eiko E. Petersen, Universitäts-Frauenklinik Freiburg, Sektion Gynäkologische Infektiologie, Hugstetterstraße 55, 79106 Freiburg
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