ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Ärztliche Weltbilder: Wechselnde Erklärungsmuster

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Ärztliche Weltbilder: Wechselnde Erklärungsmuster

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1491 / B-1270 / C-1193

Kunath, Ulrich

Zu dem Beitrag „Helicobacterisierung psychosomatischer Konzepte?“ von Prof. Dr. med. Ottmar Leiß in Heft 14/2001:
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LNSLNS Ein Paradigmawechsel ist . . . ein Wechsel im „Muster“ oder „Beispiel“, mit dem etwas erklärt wird – in diesem Fall das Ulcusleiden. Mit Helicobacter sind wir der Pathogenese des Ulcus damit nicht näher gekommen als mit der Formel „ohne Säure – kein Ulcus“. Für die Gastritis mag Helicobacter verantwortlich sein. Warum aber sollten Bakterien ausschließlich in der Antrum-Corpus-Grenze des Magens, an der Schleimhautgrenze der Cardia (seltener) und nur an der Vorder- oder Hinterwand des Bulbus duodeni ein Ulcus verursachen? Ohne zusätzliche Berücksichtigung von Anatomie und (Patho-)Physiologie des Magens wird man nicht die Pathogenese des Ulcus verstehen. Unser wissenschaftliches Denken bewegt sich – leider immer noch – linear-kausal. Für die Beschreibung von Wechselbeziehungen zwischen Psyche und Soma fehlt uns – noch immer – die wissenschaftliche Formsprache. Um „vernetzt denken“ zu können, braucht Homo sapiens wahrscheinlich einen weiteren Evolutionsschub. So wird es künftigen Generationen vorbehalten bleiben herauszufinden, was „Krankheit“ wirklich ist. Bis dahin sind wir auf wechselnde Erklärungsmuster angewiesen, ohne wirklich zu wissen.
Literatur beim Verfasser
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Ulrich Kunath, Wensickendorfer Straße 26, 16348 Stolzenhagen
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