ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Ärztinnen aus dem Kaiserreich

BÜCHER

Ärztinnen aus dem Kaiserreich

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1492 / B-1272 / C-1194

Bleker, Johanna; Schleiermacher, Sabine

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Schwierigkeiten und VorurteileJohanna Bleker, Sabine Schleiermacher: Ärztinnen aus dem Kaiserreich. Lebensläufe einer Generation. Deutscher Studien Verlag, Weinheim, 2000, 348 Seiten, gebunden, 78 DM
Wer erinnert sich heute beispielsweise noch an Dr. med. Anna Kuhnow (1859–1922)? Sie wollte unbedingt Medizin studieren, konnte dies damals aber nur in Zürich, wo sie 1888 ihr medizinisches Staatsexamen ablegte. Sie ließ sich 1890 ohne Approbation in Leipzig nieder. Später übernahm sie in Berlin die Praxis von Emilie Lehmus, die zusammen mit Franziska Tiburtius wohl bekannteste Vorkämpferin für die Zulassung von Frauen im Arztberuf. Denn erst 1899 war es Frauen nach einer Entscheidung des Deutschen Bundesrates gestattet, die ärztliche Staatsprüfung abzulegen.
Mit welchen Schwierigkeiten und Vorurteilen angehende Ärztinnen vor und nach diesem historischen Datum zu kämpfen hatten, beschreibt das Buch zweier Berliner Medizinhistorikerinnen. Einleitend wird der Berufsalltag der Ärztinnen mit ausländischem Doktorgrad geschildert. Dann folgt ein Kapitel über die bis 1918 in Deutschland approbierten Ärztinnen. Nach den Forschungen von Bleker und Schleiermacher erhielten 763 Frauen zwischen 1901 und 1918 in Deutschland die Approbation. Die Kollektivbiografie dieser Ärztinnen steht im Zentrum der folgenden Kapitel, die Aufschluss über Studienorte, die soziale Herkunft sowie die Religionszugehörigkeit geben. Wer nicht an statistischen Daten interessiert ist, der wird die Abschnitte über Studium und Berufsarbeit deutscher Ärztinnen im Ersten Weltkrieg und in der Zeit der Weimarer Republik mit großem Gewinn lesen. Besondere Anerkennung verdienen die Bemühungen der beiden Autorinnen, den weiteren Werdegang dieser „weiblichen Ärzte“, wie sie anfangs genannt werden, aufzuklären. Nach 1933 mussten mindestens 95 der bis 1918 approbierten Ärztinnen Deutschland verlassen, weil ihnen die „Rassegesetze“ eine Berufsausbildung zunächst erschwerten und später ganz unmöglich machten. Welche Einzelschicksale sich dahinter verbergen, lassen die Kurzbiografien im Anhang erahnen.
Robert Jütte
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