ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Steuerreform: Dividenden werden anders besteuert

VARIA: Wirtschaft - Recht und Steuer

Steuerreform: Dividenden werden anders besteuert

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1495 / B-1275 / C-1173

Jobst, Peter

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LNSLNS Seit dem 1. Januar gilt das Steuersenkungsgesetz. Besonders die Ertragsbesteuerung nach dem „Halbeinkünfteverfahren“ zwingt zum Umdenken.

Bundesfinanzminister Hans Eichel hat gut lachen: Nach monatelangen Debatten konnte er seine Steuerreformpläne nahezu ungestutzt in das Steuersenkungsgesetz einbringen. Kernstück der Neuregelung ist die Senkung der Steuersätze. In der Einkommensteuer wird der Eingangssteuersatz in mehreren Stufen von 22,9 auf 15 Prozent zurückgenommen, der Spitzensteuersatz sinkt von 51 auf 43 Prozent. Konsequenz für Anleger: Je später Kapitalerträge erzielt werden, umso günstiger. Es kann sich daher lohnen, statt normalverzinster Anleihen Zerobonds zu erwerben, deren Zinsertrag erst im Jahr der Fälligkeit in einer Summe zu versteuern ist. Auch Banksparpläne mit aufgeschobener Zinszahlung können interessant sein – wobei sich allerdings die Frage nach der Höhe der Gesamtrendite stellt. Unternehmen, die bisher einbehaltene Gewinne mit 40 Prozent und ausgeschüttete Gewinne mit 30 Prozent versteuern mussten, zahlen jetzt eine einheitliche Körperschaftsteuer von 25 Prozent. Zusammen mit der Gewerbesteuer ergibt dies eine Belastung von rund 38 Prozent. Folge: Der „Gewinn nach Steuern“ verbessert sich um fünf bis 15 Prozentpunkte – ein Argument, das für Aktien als Geldanlage spricht.
Markante Änderungen ergeben sich auch bei der Dividendenbesteuerung, wo bislang das „Anrechnungsverfahren“ gilt: Anleger, deren Kapitaleinkünfte über den maßgeblichen Freibeträgen liegen (3 100 DM für Alleinstehende und 6 200 DM für Verheiratete), müssen Dividendenzahlungen in voller Höhe mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Die bereits vom Unternehmen gezahlte Körperschaftsteuer wird ihnen jedoch auf die Einkommensteuerschuld angerechnet; ebenso die bereits gezahlte Kapitalertragsteuer. Ab dem Geschäftsjahr 2001 gilt stattdessen das „Halbeinkünfteverfahren“. Nur noch die Hälfte der gezahlten Bardividende unterliegt dann der Einkommensteuer des Anlegers. Im Gegenzug entfällt die Anrechnung der Körperschaftsteuer. Die Neuregelung gilt auch für Dividendenzahlungen ausländischer Unternehmen, wobei gezahlte ausländische Quellensteuern je nach Land weiterhin entweder erstattet oder auf die deutsche Steuerschuld angerechnet werden. Anleger, die statt festverzinslicher Wertpapiere Aktien mit hoher Dividendenzahlung erwerben, profitieren somit von der günstigeren steuerlichen Behandlung. Während Zinszahlungen bereits ab 3 100/6 200 DM steuerpflichtig sind, greift die Besteuerung bei Dividenden erst ab 6 200/12 400 DM.
Spitzenverdiener freuen sich
Pluspunkte bietet das neue Verfahren insbesondere für Anleger mit einem Spitzensteuersatz von mehr als 40 Prozent. Der Vorteil, nur noch die Hälfte der Dividende versteuern zu müssen, ist für sie weitaus größer als der Nachteil, die Körperschaftsteuer nicht mehr angerechnet zu bekommen. Benachteiligt sind indes Anleger mit niedrigem Spitzensteuersatz, die bisher über die Steuergutschrift einen Zusatzertrag erzielten. Besonders stark betroffen sind aber auch Investoren, die den Sparerfreibetrag noch nicht ausschöpfen. Sie erhielten bisher die Bruttodividende zuzüglich des Körperschaftsteuerguthabens. Künftig müssen sie sich mit der – dafür allerdings leicht höheren – Nettodividende bescheiden. Das gezahlte Körperschaftsteuerguthaben ist für sie verloren. Hingegen macht die Neuregelung deutsche Dividendenpapiere für ausländische Anleger wieder interessanter, ist ihnen die Anrechnung der Körperschaftsteuer bisher ohnehin versagt geblieben.
Attraktiver werden Aktien für viele Anleger nicht nur durch die Neuregelung der Dividendenbesteuerung. Vorteile ergeben sich auch bei der Besteuerung von Spekulationsgewinnen. Bisher unterlagen alle „Gewinne aus Veräußerungsgeschäften“ immer dann in vollem Umfang dem Einkommensteuersatz des Anlegers, wenn sie innerhalb von zwölf Monaten realisiert werden und der Gesamterlös aus solchen Spekulationsgeschäften im Jahr mindestens 1 000 DM (Verheiratete: 2 000 DM) beträgt. Wenn ein allein stehender Anleger im laufenden Jahr 1 800 DM Spekulationsgewinne erzielt, muss er dafür bei einem angenommenen Spitzensteuersatz von 40 Prozent 720 DM Einkommensteuer bezahlen. Nach neuem Recht müssen von den 1 800 DM jedoch nur noch 900 DM versteuert werden. Damit bleibt der Ertrag völlig steuerfrei, denn schließlich liegt er unter der unveränderten Freigrenze von 1 000 DM. Daraus ergibt sich ein interessanter Gestaltungsspielraum. Anleger, die Spekulationsverluste nach altem Recht realisieren, können diese in voller Höhe auf das Folgejahr fortschreiben. Hingegen müssen sie künftige Spekulationsgewinne nur zur Hälfte versteuern. 2 000 DM Spekulationsverlust von heute „neutralisieren“ also einen künftigen Spekulationsgewinn von 4 000 DM.
Bei Dividendeneinkünften greift das neue Steuerrecht in jedem Fall für alle Gewinne, die vom Unternehmen ab dem Jahr 2001 erwirtschaftet werden. Dividendenzahlungen für das Jahr 2000 werden also nach altem Recht besteuert, spätere Dividenden nach dem neuen Recht. Bei Spekulationsgewinnen greift die Neuregelung ab dem Realisierungsdatum 1. Januar 2002. Allerdings sehen manche Experten auch hier eine enge Bindung an das Geschäftsjahr des Unternehmens, sodass erst nach Ende des Geschäftsjahres 2001/ 2002 auch die Spekulationsgewinne steuerlich begünstigt werden.
Indirekter Vorteil
Wichtiger als bisher ist eine genaue Buchführung. Werbungskosten, die in Zusammenhang mit Zinspapieren anfallen, können auch künftig in voller Höhe abgerechnet werden. Hingegen wird der Werbungskostenabzug in Zusammenhang mit Dividendenpapieren auf die Hälfte begrenzt. Es kann daher sinnvoll sein, Dividenden- und Zinspapiere auf verschiedene Depots zu verteilen, sodass sich Werbungskosten steuerlich leichter zuordnen lassen.
Das geänderte Steuerrecht bringt nicht nur unmittelbare Vorteile für Aktionäre, die beispielsweise von der Begünstigung bei den Spekulationsgewinnen profitieren. Das Steuersenkungsgesetz sieht einen weiteren wichtigen Pluspunkt vor, der letztlich wiederum den Anteilseignern zugute kommen sollte: Kapitalgesellschaften können Anteile an anderen deutschen Kapitalgesellschaften ab dem Jahr 2002 steuerfrei verkaufen, wenn sie die Beteiligung mindestens ein Jahr gehalten haben. Schon jetzt wird damit gerechnet, dass es in Deutschland zu umfangreichen Neuordnungen des Anteilsbesitzes kommt. Begünstigt werden Unternehmen mit hohem Beteiligungsbesitz, zum Beispiel Versicherungsgesellschaften.

Peter Jobst
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