ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001Symptomatische Herzinsuffizienz: Betablocker sind heute unverzichtbar

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Symptomatische Herzinsuffizienz: Betablocker sind heute unverzichtbar

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): A-1497

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Die nachlassende myokardiale Kontraktionskraft löst neurohumorale Kompensationsmechanismen aus, die die Herzleistung wieder an den Bedarf anpassen. Dazu gehört eine Aktivierung betaadrenerger Rezeptoren. Diese Kompensation hat auf längere Sicht deletäre Folgen: Freisetzung proinflammatorischer Zytokine, Hypertrophie, Ischämie, Arrhythmien, Myokardfibrose und direkte toxische Effekte auf Myozyten. Diese Effekte führen in einen Teufelskreis, der mit einer zunehmenden Verschlechterung der Herzinsuffizienz verbunden ist.
Typisch für die Herzinsuffizienz ist eine negative Kraft-Frequenz-Beziehung – das heißt: bei steigender Frequenz nimmt die Kraft ab. Die Frequenz durch einen Betablocker zu senken kann deshalb günstig sein. Aber auch Patienten mit initial niedriger Herzfrequenz profitieren von der Gabe eines Betablockers. Dies bedeutet, dass der Effekt von Betablockern auf die Herzinsuffizienz frequenzunabhängig ist, wie Prof. Wolfram Delius (München) bei einem Pressegespräch der Firma Merck in München betonte.
Bisoprolol zusätzlich zur
Standardtherapie
Unter der chronischen betaadrenergen Stimulation nimmt die Dichte beta-1-adrenerger Rezeptoren im Myokard ab. Betablocker sind geeignet, diesen pathologischen Prozess aufzuhalten, da sie die Ansprechbarkeit dieser Rezeptoren wieder erhöhen. Neue Studien mit Bisoprolol, Carvedilol und Metoprolol haben gezeigt, dass Betablocker das Überleben der Patienten signifikant verlängern, wenn sie zusätzlich zur Standardtherapie gegeben werden. In der CIBIS-II-Studie senkte Bisoprolol zusätzlich zur Standardtherapie die Gesamtmortalität im Vergleich zu Placebo um 34 Prozent, das Risiko für den plötzlichen Herztod um 44 Prozent.
Andere Studien wie COPERNICUS und MERIT-
HF haben Ähnliches für Metoprolol und Carvedilol bestätigt. In der letzteren Studie wurde im Besonderen gezeigt, dass auch Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz profitieren.
„Heute sind Betablocker ein Muss für jeden Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz“, so Dr. Robert H. G. Schwinger (Köln). Weder fortgeschrittenes Alter noch Diabetes mellitus, noch Niereninsuffizienz sind Argumente gegen den Einsatz von Betablockern. Lediglich ein systolischer Blutdruck unter 100 mm Hg, eine Herzfrequenz unter 60 Schlägen/min sowie eine schwere obstruktive Lungenerkrankung müssen als Kontraindikationen beachtet werden. Die Herzinsuffizienz sollte seit mindestens zwei Wochen stabil sein. Um keine akute Dekompensation zu riskieren, muss die Therapie mit ungefähr einem Zehntel der Zieldosis begonnen werden. Dies sind im Fall von Bisoprolol 1,25 mg. Diese Dosis wird alle zwei Wochen langsam gesteigert, so wie sie der Patient verträgt. Das Ziel liegt bei 10 mg. Selbst wenn dieses nicht erreicht werde, sei es wahrscheinlich besser, wenig Betablocker zu geben als gar keinen, meinte Schwinger.
Die Patienten können nach drei bis sechs Monaten damit rechnen, dass sich ihr Wohlbefinden bessert. Die Einstellung auf den Betablocker kann ambulant erfolgen. Nur Patienten mit Herzinsuffizienz im klinischen
Stadium NYHA IV sollten stationär aufgenommen werden.
Dr. med. Angelika Bischoff
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