ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2001zu Aktien: Rumpelkammer

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zu Aktien: Rumpelkammer

Dtsch Arztebl 2001; 98(22): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Eine vergleichsweise harmlose Nachricht hat es ziemlich in sich. Die Novität wird gar in den kommenden Monaten für ziemliche Irritationen an den Börsen sorgen. Manche Werte werden trotz analytischer Überlegenheit im Kurs fallen, andere wiederum wider Erwarten steigen.
Das Geheimnis: Die Bank „Morgan Stanley Capital International“ (MSCI) entrümpelt ihre Aktienindizes. Seit Monaten warten die Experten in der ganzen Welt darauf, dass der führende Anbieter von Performancevergleichen und Indexmaßstäben endlich die Katze aus dem Sack lässt. Und so ist es denn am vergangenen Samstag auch geschehen.
Die Überraschung ist eher negativer Art, zumindest für den deutschen Aktienmarkt. Die Börse hierzulande wird – neben Japan und Frankreich – eindeutig zu den großen Verlierern der groß angelegten MSCI-Indexreform zählen.
Analysten erwarten durch die Reform gewaltige Umwälzungen, die Rede ist von 600 Milliarden Dollar, da kommen also enorme Umschichtungen auf uns zu.
Sinn und Zweck des Ganzen ist, in den Indizes mehr Transparenz zu schaffen. MSCI wird ihre Börsenbarometer auf die Zahl der handelbaren Aktien (freefloat) umstellen, während bislang eben auch Aktien berücksichtigt wurden, die in festen Händen waren. Damit rächt sich auch erstmalig, dass in Deutschland viele Banken sowieso untereinander beteiligt sind (Überkreuzverflechtung) und auch noch bei vielen anderen börsennotierten Industrie-Aktiengesellschaften mehrheitlich das Sagen haben.
Damit es aber noch ein wenig komplizierter wird, gilt es auch noch zu beachten, dass auch innerhalb einzelner Branchen Veränderungen zu erwarten sind. Das bedeutet im Klartext, dass trotz des international relativ schlecht positionierten Deutschland einige Titel auf der Sonnenseite stehen könnten.
Es handelt sich hierbei insbesondere um die Werte, die neu in den MSCI-Index aufgenommen werden. Dazu gehören vor allem Porsche, die Deutsche Post, der Chiphersteller Infineon und die Pharmaaktie Altana sowie der Finanzdienstleister MLP. Bei diesen Aktien ist auf Sicht der nächsten sechs bis neun Monate mit Kurssteigerungen zu rechnen, weil viele Fonds aufgrund ihrer Statuten einfach gezwungen sind, diese Titel aufzunehmen.
Anderseits sind folgende Titel besonders gefährdet: Telekommunikation, Autos und Rohstoffwerte. Für den besorgten Anleger also genug Anlass, sein Wertpapierportfolio sowohl nach Indexverlierern, aber auch nach möglichen Gewinnern zu durchforsten. Das eigene Depot soll schließlich nicht als persönliche Anlage-Rumpelkammer vor sich hinstauben.
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