ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Krankenhäuser: Marktanpassung

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Krankenhäuser: Marktanpassung

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1505 / B-1281 / C-1201

Clade, Harald

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LNSLNS Das neue, mehr leistungsbezogene Entgeltsystem auf der Basis
diagnosebezogener Fallpauschalen (DRGs nach australischem Muster) zwingt die Krankenhäuser, ihre Kostenstrukturen bereits im Vorfeld zu ändern, die Leistungspalette im Hinblick auf Effizienz, Rentabilität und die notwendige Bedarfsdeckung zu durchforsten und rasch zu ändern. Experten prognostizieren, dass bereits kurz- und mittelfristig zehn bis 20 Prozent der Krankenhäuser allein infolge der Umstellung des Abrechnungs- und Finanzierungssystems aus dem Krankenhausmarkt ausscheiden werden – vor allem kleinere, nicht mehr bedarfsnotwendige Häuser. Der Konzentrationsprozess dürfte sich beschleunigen, die schon von jeher mehr auf Wettbewerb und Leistungsorientierung ausgerichteten erwerbswirtschaftlichen Krankenhäuser und private Klinikketten werden in Zukunft begünstigt werden, so die Prognosen. Lange bevor der Runde Tisch zur Gesundheitsreform besetzt wurde, spekulierten die Krankenhäuser und deren Verbände über mögliche Reformalternativen und vor allem über Gelegenheiten, sich am Markt zu behaupten und zum Dienstleistungs- und Gesundheitszentrum zu expandieren. Allerdings hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft eine Reformoption verworfen, die von der CDU/CSU und den Liberalen früher favorisiert wurde: nämlich die Umstellung des GKV-Leistungskatalogs auf einen Grund- und Standard-Leistungskatalog und frei zuwählbare, direkt zu finanzierende Wahlleistungen. Jedenfalls sei die letzte Interventionsstufe und die Notfallinstanz Krankenhaus im gegliederten System untauglich dafür, die Leistungen in Grund-, Wahl- und Komfortleistungen zu splitten – wie dies beispielsweise im Bereich des Zahnersatzes möglich ist. Allenfalls kann das Krankenhaus in begrenztem Umfang wie bisher die Wahlleistungen Arzt und Unterkunft offerieren – bei entsprechender Vergütung und Kostenerstattung an die Träger. Völlig ungeeignet sind die Krankenhäuser, deren Investitionskosten über Steuergelder (Länder) finanziert werden, individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL-Leistungen) anzubieten und diese mit erheblichen Quersubventionen zulasten der Krankenkassen und der (privat versicherten) Kranken zu finanzieren. Dies käme weder den Kostendämpfungsbestrebungen zugute, noch wäre dies mit der Länderkompetenz und Aufsicht über die Bedarfsplanung, die Standortfestlegung noch mit verfassungsrechtlichen Grundsätzen vereinbar. Dr. rer. pol. Harald Clade
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