ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Forschungsskandal: Publikation wird zurückgezogen

AKTUELL: Akut

Forschungsskandal: Publikation wird zurückgezogen

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1509 / B-1285 / C-1205

Koch, Klaus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dr. Wolfram Brugger und Prof. Lothar Kanz von der Universitätsklinik Tübingen werden eine der beiden Publikationen zurückziehen, deren Veröffentlichung die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als „wissenschaftliches Fehlverhalten“ eingestuft hat. Dabei geht es um eine im Jahr 1995 im angesehenen New England Journal of Medicine (NEJM) abgedruckte Arbeit zur Transplantation von Blutstammzellen bei Krebspatienten. Die entsprechende Mitteilung der Tübinger Ärzte sei „derzeit in Druck“, schildert Jeffrey Drazen, der Chefredakteur des Journals, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Lothar Kanz bestätigt das auf Anfrage: „Wir haben der Zeitschrift den Rückzug angeboten.“ Dahinter stehe die Absicht, das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit seiner Arbeit wiederherzustellen. „Wir haben mit dem Rückzug absichtlich gewartet, bis die DFG ihre Untersuchungen abgeschlossen hat“, sagt Kanz.

Die DFG war bei der Überprüfung zweier Arbeiten zu dem Ergebnis gekommen, „dass die Veröffentlichungen schwerwiegende Mängel aufweisen“ – von „Fälschungsvorwürfen“ hatte sie Kanz und Brugger jedoch „entlastet“. Kanz räumt „Fehler“ ein, betont aber, dass rekonstruierte Daten zeigten, dass die Schlussfolgerungen der im New England Journal of Medicine publizierten Arbeit weiter gültig seien: „Wir wollen mit dem Rückzug aber ein Zeichen setzen und die Diskussion beenden.“ Allerdings sind nicht alle der Ansicht, dass die Kette der Untersuchungen, die ihren Anfang im Betrugsskandal um die Krebsforscher Friedhelm Herrmann und Marion Brach hat, damit enden sollte.

Zwar geht Prof. Eberhard Schaich, Rektor der Tübinger Universität, wie die DFG davon aus, dass die beiden mangelhaften Studien gleichsam Ausrutscher waren, vor allem bedingt durch Unerfahrenheit: „Jetzt würde Herrn Kanz das sicher nicht mehr passieren“, sagt Schaich. Ulf Rapp, der Leiter der Task-Force, die die Mängel in den Arbeiten ursprünglich aufgespürt hat, will sich aber mit dieser Einschätzung nicht zufrieden geben, solange nicht aktuelle Arbeiten der Tübinger Gruppe auf ihre Qualität hin untersucht sind. „Ein Teil der Forschung von Herrn Kanz ist mit Steuergeldern finanziert.“ Daraus leite er eine Pflicht ab, der Öffentlichkeit tatsächlich zu belegen, dass solche Mängel heute nicht mehr vorkommen. Kanz könne beispielsweise einem unabhängigen Gremium freiwillig Einblick in die Daten aktueller Publikationen einräumen: „Wenn diese beiden Arbeiten wirklich Ausrutscher waren, würde sich Herr Kanz durch eine solche Untersuchung nur rehabilitieren“, sagt Rapp. Schaich lehnt solch eine weitere Untersuchung ab. Man habe, so Schaich, sich innerhalb der Fakultät bereits versichert, „dass Herr Kanz ein ausgezeichneter Arzt und Wissenschaftler ist“. Die Untersuchungen sollten aber vertraulich bleiben.
Dr. Wolfram Brugger und Prof. Lothar Kanz von der Universitätsklinik Tübingen werden eine der beiden Publikationen zurückziehen, deren Veröffentlichung die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als „wissenschaftliches Fehlverhalten“ eingestuft hat. Dabei geht es um eine im Jahr 1995 im angesehenen New England Journal of Medicine (NEJM) abgedruckte Arbeit zur Transplantation von Blutstammzellen bei Krebspatienten. Die entsprechende Mitteilung der Tübinger Ärzte sei „derzeit in Druck“, schildert Jeffrey Drazen, der Chefredakteur des Journals, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Lothar Kanz bestätigt das auf Anfrage: „Wir haben der Zeitschrift den Rückzug angeboten.“ Dahinter stehe die Absicht, das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit seiner Arbeit wiederherzustellen. „Wir haben mit dem Rückzug absichtlich gewartet, bis die DFG ihre Untersuchungen abgeschlossen hat“, sagt Kanz.

Die DFG war bei der Überprüfung zweier Arbeiten zu dem Ergebnis gekommen, „dass die Veröffentlichungen schwerwiegende Mängel aufweisen“ – von „Fälschungsvorwürfen“ hatte sie Kanz und Brugger jedoch „entlastet“. Kanz räumt „Fehler“ ein, betont aber, dass rekonstruierte Daten zeigten, dass die Schlussfolgerungen der im New England Journal of Medicine publizierten Arbeit weiter gültig seien: „Wir wollen mit dem Rückzug aber ein Zeichen setzen und die Diskussion beenden.“ Allerdings sind nicht alle der Ansicht, dass die Kette der Untersuchungen, die ihren Anfang im Betrugsskandal um die Krebsforscher Friedhelm Herrmann und Marion Brach hat, damit enden sollte.

Zwar geht Prof. Eberhard Schaich, Rektor der Tübinger Universität, wie die DFG davon aus, dass die beiden mangelhaften Studien gleichsam Ausrutscher waren, vor allem bedingt durch Unerfahrenheit: „Jetzt würde Herrn Kanz das sicher nicht mehr passieren“, sagt Schaich. Ulf Rapp, der Leiter der Task-Force, die die Mängel in den Arbeiten ursprünglich aufgespürt hat, will sich aber mit dieser Einschätzung nicht zufrieden geben, solange nicht aktuelle Arbeiten der Tübinger Gruppe auf ihre Qualität hin untersucht sind. „Ein Teil der Forschung von Herrn Kanz ist mit Steuergeldern finanziert.“ Daraus leite er eine Pflicht ab, der Öffentlichkeit tatsächlich zu belegen, dass solche Mängel heute nicht mehr vorkommen. Kanz könne beispielsweise einem unabhängigen Gremium freiwillig Einblick in die Daten aktueller Publikationen einräumen: „Wenn diese beiden Arbeiten wirklich Ausrutscher waren, würde sich Herr Kanz durch eine solche Untersuchung nur rehabilitieren“, sagt Rapp. Schaich lehnt solch eine weitere Untersuchung ab. Man habe, so Schaich, sich innerhalb der Fakultät bereits versichert, „dass Herr Kanz ein ausgezeichneter Arzt und Wissenschaftler ist“. Die Untersuchungen sollten aber vertraulich bleiben. Klaus Koch
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema