ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Patientenforum: Plattform für gemeinsames Handeln

POLITIK

Patientenforum: Plattform für gemeinsames Handeln

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1515 / B-1287 / C-1207

Gerst, Thomas

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LNSLNS Ein erstes Projekt dient der Verbesserung der Patienteninformation.
Zukünftig sollen die Patientenvertreter in die Entscheidungsprozesse
des Gesundheitswesens einbezogen werden.


Die Zeiten sind vorbei, in denen eine Kooperation mit Patientenvertretern vielen Ärzten als ein nicht hinzunehmender Eingriff in die Autonomie ärztlichen Handelns erschien. Inzwischen ist fast allgemein akzeptiert, dass die Einbeziehung von Patientenvertretern in Entscheidungsprozesse des Gesundheitswesens letztlich zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung beiträgt. Vor allem auf die Initiative von Dr. med. Ursula Auerswald, Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer und Präsidentin der Ärztekammer Bremen, ist es zurückzuführen, dass mit dem „Patientenforum“ nunmehr zum ersten Mal auf Bundesebene eine Plattform zum gemeinsamen Handeln von verfasster Ärzteschaft und Dachverbänden der Selbsthilfe geschaffen wurde.
Transparente Strukturen im Gesundheitswesen
Im Rahmen des 104. Deutschen Ärztetages wurde das erst vor wenigen Wochen gegründete Patientenforum der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Patientenforum setzt sich zusammen aus der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte e.V., dem Forum chronisch kranker und behinderter Menschen im Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Auerswald betonte, dass alle Partner an dem Projekt gleichberechtigt beteiligt seien. Bewusst habe man die Krankenkassen außen vor gelassen, da die Arzt-Patienten-Beziehung im Vordergrund stehen soll. Das Patientenforum werde sich für transparente Strukturen im Gesundheitswesen und eine patientenorientierte Weiterentwicklung von Versorgungsstandards und -formen einsetzen. Mit der Gründung des Patientenforums habe die Ärzteschaft bewiesen, „dass im Rahmen der ärztlichen Selbstverwaltung zukunftsweisende Möglichkeiten der Kooperation entwickelt werden, die den Reformprozess im Gesundheitswesen nachhaltig unterstützen“. Der Kritik des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen an einer mangelnden Beteiligung von Patienten an den Entscheidungsprozessen sei so quasi im Vorgriff schon wirkungsvoll begegnet worden.
Ohne Druck des Gesetzgebers
Der Zweite Vorsitzende der KBV und Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Dr. med. Leonhard Hansen, wies auf die bereits bestehenden Formen der Zusammenarbeit von einzelnen Selbsthilfeorganisationen mit der Ärzteschaft hin. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein unterstützt die Kooperationsberatung für Selbsthilfegruppen und Ärzte (KOSA) den Aufbau von Kontakten und Kooperationen zwischen beiden Gruppen. Bei dem neuen Projekt hätten nun die schon zahlreich bestehenden lokalen und regionalen Insellösungen ein Forum auf Bundesebene gefunden. Auch Hansen hob hervor, dass das Patientenforum ohne Druck des Gesetzgebers ganz allein auf Initiative der Ärzteschaft zustande gekommen sei. Bei der von der KBV geplanten Qualitätsoffensive soll ein Beirat aus dem Forum zur Mitarbeit herangezogen werden. Sehr wichtig erscheint Hansen die Beteiligung der Patientenvertreter an der Erstellung von Leitlinien.
In einem ersten gemeinsamen Projekt des Patientenforums geht es darum, die Patienteninformation zu verbessern. Mit der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung (ÄZQ) und in Kooperation mit der Abteilung Epidemiologie und Sozialmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover wird das Patientenforum die Qualität medizinischer Fachinformationen für Laien überprüfen und bewerten. Grundlage hierfür ist der Patienteninformationsdienst der ÄZQ im Internet (www.patienten-information.de), der medizinische Fachinformationen aus unabhängigen und nichtkommerziellen Quellen enthält. Geplant ist die Zertifizierung guter Informationsangebote. Thomas Gerst


Will Patientenvertreter bei der Gestaltung des Gesundheitswesens mit einbeziehen: Ursula Auerswald
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