ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001„Gmünder ErsatzKasse“: Arzneimittelversorgung - auffallend asymmetrisch

POLITIK

„Gmünder ErsatzKasse“: Arzneimittelversorgung - auffallend asymmetrisch

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1518 / B-1290 / C-1210

Rieser, Sabine

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LNSLNS GEK-Studie soll der Erkenntnis dienen, nicht der Ärzteschelte

Um mehr Transparenz in die vertragsärztliche Versorgung zu bekommen, haben wir 30 Millionen Verordnungsdaten der letzten drei Jahre auswerten lassen, um Mengen, Ausgaben und Qualitätsaspekte für unsere Versicherten zu analysieren.“ So hat Dieter Hebel die Zielsetzung einer Studie im Auftrag der „Gmünder ErsatzKasse“ (GEK) beschrieben, die Ende Mai in Berlin vorgestellt wurde. Der GEK-Vorstandsvorsitzende betonte, dass sie nicht als „Ärzteschelte“ gedacht sei.
Ausgewertet hat die Daten Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen. Er erläuterte, dass die Arzneimittelversorgung der rund 1,5 Millionen GEK-Versicherten in den Jahren 1998 bis 2000 von Asymmetrien gekennzeichnet sei. So bekamen nur knapp drei Viertel von ihnen Medikamente verschrieben. Frauen nahmen dabei mehr Arzneimittel ein als Männer.
Umfang der Generika: „beachtliches Niveau“
Rund 80 Prozent der Arzneimittelausgaben der GEK (2000: 475 Millionen DM) entfielen auf knapp 22 Prozent der Patienten, die ein Rezept bekommen hatten. Dass vor allem die Verschreibungen für ältere Patienten die Ausgaben in die Höhe treiben, könne man nicht bestätigen, sagte Glaeske. Generell verursachten vor allem chronisch Kranke hohe Kosten, darunter auch junge Menschen wie HIV-Infizierte oder Kinder, die auf eine Enzymsubstitution angewiesen sind.
Glaeske betonte, dass man die Daten der GEK nicht ohne weiteres auf die gesamte Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung übertragen könne. Die Gmünder versichere weniger Frauen als der Durchschnitt der gesetzlichen Krankenkassen, und ihre Mitglieder seien jünger. Aufschlussreich sei die Auswertung dennoch, allein schon wegen der versichertenbezogenen Analyse der Daten. Dazu wurden Anonymisierungs- und Pseudonymisierungsverfahren angewandt.
Zu den Asymmetrien zählen auch geschlechtsspezifische Unterschiede. „So fallen die relativ niedrigen Verordnungswerte von Mitteln zur Verhinderung von Thrombosen bei Frauen ebenso auf wie die niedrigen Mengen an Insulinen und anderen Antidiabetika“, berichtete Glaeske. Dagegen nahmen Frauen mehr Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmittel als Männer. Glaeske kritisierte besonders die Benzodiazepin-Verordnungen, räumte aber ein: „Es ist eine kleine Gruppe, die zulegt.“ 50 Prozent der Präparate würden von zehn Prozent der Ärzte verschrieben.
Was Generika anbelangt, so bestünden noch Rationalisierungsreserven. Glaeske räumte aber ein, dass hier „schon ein beachtliches Niveau“ erreicht sei. Umstrittene Arzneimittel erhielten GEK-Versicherte seltener als früher. 1999 habe ihr Anteil noch bei 28,7 Prozent der verordneten Packungen gelegen, 2000 nur bei 13,5 Prozent. Der Ausgabenanteil dafür reduzierte sich von 15,6 auf 7,3 Prozent. Glaeske schätzt, dass die GEK pro Jahr 70 Millionen DM bei der Arzneimittelversorgung einsparen könnte. Man solle sich aber hüten anzunehmen, „dass solche Einsparungen in Zukunft Innovationen finanzieren“. Außerdem seien die Reserven „geradezu ,Kiki‘ gegen die im Krankenhausbereich“.
Sabine Rieser

(Sudie unter: www.gek.de/information)
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