ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 3/2001Onconet-Karte: Die Health Professional Card im Einsatz

Supplement: Praxis Computer

Onconet-Karte: Die Health Professional Card im Einsatz

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): [2]

Krausnick, Steffen

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LNSLNS Anspruchsvolle Sicherheitsbestimmungen haben bisher den elektronischen Austausch von Patientendaten über das Internet verhindert. Die Health Professional Card (HPC) bietet für das Gesundheitswesen jedoch einen Lösungsansatz, der den gesicherten elektronischen Datenaustausch ermöglicht. Seit 1999 sind die ersten HPC in Sachsen-Anhalt im Piloteinsatz.
Die Kommunikation über das Internet ist heute die schnellste und preisgünstigste Form, um Informationen und Daten in den nächsten Ort oder rund um den Globus zu versenden. Dies gilt auch für die Kommunikation im Gesundheitswesen, die durch eine Vielzahl von Kommunikationsketten gekennzeichnet ist. An der Behandlung von Erkrankungen, wie beispielsweise Krebs, sind Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen beteiligt. Daher muss ein umfangreicher Datenaustausch zwischen diesen Ärzten stattfinden. Die Kommunikation wird zurzeit vor allem in Papierform durchgeführt. Hier eröffnet das Internet neue Möglichkeiten – sofern die Fragen der Authentizität und der Integrität gelöst sind. Die gesicherte Anmeldung in Computernetzen, die sichere und vertrauliche Datenübertragung und die rechtliche Beweiskraft der Dokumente müssen gewährleistet sein.
EU-Projekt TrustHealth-2
Im Juni 1998 startete das europäische Projekt TrustHealth-2. Das von der EU geförderte Projekt zielte darauf ab, eine Health Professional Card (HPC) zur Sicherung der elektronischen Kommunikation zu entwickeln und diese Karte zugleich in eine Anwendung einzubinden. Die Lösung sollte jeweils in den Teilnehmerländern Schweden, Norwegen, Frankreich, England, Belgien und Deutschland implementiert werden. Darüber hinaus sollte gezeigt werden, dass das zu entwickelnde System zwischen den verschiedenen Partnern interoperabel ist.
Für Deutschland war das Universitätsklinikum Magdeburg – vertreten durch das Institut für Biometrie und medizinische Informatik – Projektpartner, gemeinsam mit den Industriepartnern GMD Informationstechnik GmbH, Darmstadt, und Giesecke & Devrient GmbH, München, sowie mit den Ärztekammern Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.
Das Klinische Krebsregister Magdeburg/Sachsen-Anhalt ist ein regionales Zentrum, in dem die Krebsfälle im Regierungsbezirk Magdeburg mit einem Einzugsgebiet von 1,4 Millionen Menschen klinisch dokumentiert werden. Am Register sind Kliniken aus 13 Orten sowie über die Onkologische Nachsorgeleitstelle bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt auch niedergelassene Ärzte beteiligt.
Das Onconet bildet die elektronische Plattform des regionalen Krebsregisters. Für jeden Patienten werden dort bis zu 2 000 verschiedene Daten – von Laborwerten, über ICD-Kodes bis hin zu Informationen zum Behandlungsverlauf – gespeichert. Das Netzwerk unterstützt die Kommunikation und Kooperation zwischen den Gesundheitsdienstleistern, die in die medizinische Versorgung von Krebspatienten integriert sind. Auf Basis der erhobenen Daten werden eine effiziente Behandlung und Nachsorge der Patienten organisiert. Darüber hinaus sind statistische Auswertungen möglich.
Projektergebnisse
Während bisher die Daten aus den Kliniken und Arztpraxen (mittels Erfassungsbögen) vor allem über den Postweg übermittelt wurden, können seit Ende 1999 die ersten Teilnehmer ihre Dokumentationen elektronisch gesichert und signiert über das Internet an das Krebsregister übersenden. Voraussetzung hierfür ist die im Rahmen des Projektes TrustHealth-2 entwickelte HPC (Abbildung 2), die eine gesicherte Kommunikation nach den Maßgaben der europäischen und der deutschen HPC-Spezifikation ermöglicht. Auf der Basis der ausgegebenen Karte sind folgende Funktionen möglich:
M Sichere Anmeldung im Onconet sowie Vergabe einer Benutzerrolle, über die dem Anwender die Rechte im Netzwerk zugewiesen werden.
M Sichere Übertragung von Arztbriefen zum Krebsregister mit elektronischer Unterschrift/Signatur.
M Sicher übertragene Abfragen auf den Datenbestand im Tumorregister durch vordefinierte oder freie SQL-Abfragen und Rückmeldung der Ergebnisse.
M Sichere Übertragung von Teilen oder der vollständigen elektronischen Krankenakte eines Patienten.
M Übertragung von beliebigen Dateien zwischen beliebigen Partnern innerhalb des Onconet.
M Anforderung und Übermittlung von Zweitmeinungen.
Für die Nutzung der Funktionen wurde eine einfach zu bedienende Anwendung erstellt. Mit deren Hilfe kann der direkte Kontakt zu einem Kommunikationsserver des Tumorregisters aufgebaut werden. Kommuniziert wird dabei ausschließlich über das Internet (siehe Abbildung 1, Seite 2). Sowohl die Server des Regionalen Klinischen Krebsregisters als auch die Arbeitsplätze der Anwender müssen an das Internet angeschlossen sein. Ebenfalls eingebunden ist eine TTP-(Trusted Third Party-)Instanz, die die Funktionen eines Trust Centers übernimmt
und für das Projekt von der GMD betrieben wurde. Als Registrierungsinstanz für die Ausweise fungiert beim Onconet die Ärztekammer Sachsen-Anhalt.
Im Mai 2000 wurde das Projekt abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 40 Teilnehmer an das Onconet angeschlossen. Das Netzwerk soll kontinuierlich ausgebaut werden. Ziel ist es, alle Ärzte, die an der Behandlung von Krebspatienten beteiligt sind, in das Onconet einzubeziehen. Der Ausbau ist jedoch eng an die Ausgabe des elektronischen Arztausweises nach der deutschen HPC-Spezifikation gebunden.
Erfahrungen
Die Praxis hat gezeigt, dass die Anpassung der ärztlichen Arbeitsabläufe an die Kommunikationsmöglichkeiten eine große Herausforderung darstellt. Während in der Papierwelt der Arzt
die Arbeiten am Computer komplett delegieren konnte, muss er für seine persönliche elektronische Unterschrift unmittelbar mit dem Computer arbeiten.
Wichtig wird künftig sein, dass auch andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen über einen elektronischen Ausweis (HPC) mit gleichen Funktionalitäten verfügen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Arbeitsteilung und der erforderliche Austausch von Informationen zwischen den Berufsgruppen vollständig und ohne Brüche auf elektronischer Ebene durchgeführt werden können.
Für eine durchgehende elektronische Kommunikation im Gesundheitswesen wäre eine Patientenkarte erforderlich, die in ihrem rechtlichen Rahmen über die heutige Krankenversichertenkarte hinausgeht. Dann sind weitere Anwendungen realisierbar, für die neben der Autorisierung des Arztes auch die Legitimierung durch den Patienten erforderlich sind. Hierzu zählen beispielsweise das elektronische Rezept als Server-Lösung und regionale elektronische Patientenakten. Steffen Krausnick
Informationen: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Medizinische Fakultät, Institut für Biometrie und medizinische Informatik, PD Dr. Bernd Blobel, Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg, Telefon: 03 91/6 71 35 42, E-Mail: Bernd.
Blobel@MRZ.Uni-Magdeburg.de

Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Referat Informatik, Steffen Krausnick, Postfach 1569, 39005 Magdeburg, Telefon: 03 91/6 05 47 43, E-Mail: info.aeksa@dgn.de
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