ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 3/2001Neue Heilmittel-Richtlinien: Umfassende Änderungen

Supplement: Praxis Computer

Neue Heilmittel-Richtlinien: Umfassende Änderungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): [6]

Beyer, Hans-Martin

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LNSLNS Ab dem 1. Juli 2001 gelten neue Richtlinien zur Verordnung von Krankengymnastik, Massagen, Ergotherapie und Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie. Bei der Umsetzung in die Praxisprogramme sind Verzögerungen möglich.
Die neuen Heilmittelrichtlinien des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen führen zu einer grundsätzlich anderen Handhabung der Verordnung von Heilmitteln der Physikalischen Therapie, Ergotherapie und Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie: Konsequent eingesetzt und genutzt, soll die neue Heilmittel-Richtlinie (HMR) mit indikationsbezogenem Leitliniencharakter der Vertragsärzteschaft eine sachgerechte Heilmittelversorgung erleichtern und mehr Schutz und Sicherheit vor Regressen und bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen bringen.
Der Referentenentwurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) für ein Gesetz zur Ablösung des Arznei- und Heilmittelbudgets verdeutlicht, dass auch im Ministerium die Chancen dieser Richtlinie vor allem darin gesehen werden, durch eine qualitätsverbessernde und an der Wirtschaftlichkeit orientierte Heilmittelversorgung die budget- und richtgrößenbedingte Verordnungsunsicherheit der Vertragsärzte im Heilmittelbereich zu überwinden.
Folgende Änderungen kennzeichnen die neue Richtlinie:
M Nicht die Diagnose, sondern die hiermit einhergehende Leitsymptomatik wird behandlungsbegründend.
M Anstelle einer Aneinanderreihung von Einzelrezepturen erfolgt die Heilmitteltherapie künftig in Form eines nachvollziehbaren Behandlungsprozesses, bestehend aus Erst-, und erster oder zweiter Folge- und gegebenenfalls sogar Langfristverordnung.
M Die diagnosebezogenen Verordnungsmengen und die indikationsbezogene Auswahl der Heilmittel „im Regelfall“ werden – orientiert an Erfahrungswerten aus der Praxis – definiert und im Heilmittelkatalog beschrieben.
M Die vom Regelfall abweichende Verordnungsmöglichkeit „außerhalb des Regelfalls“ bezieht die Krankenkassen in die Finanzierungsverantwortung mit ein, indem diese Verordnungen medizinisch begründet und von den Krankenkassen vor Fortsetzung der Therapie genehmigt werden müssen.
M Die Einführung einer geregelten Zusammenarbeit zwischen verordnenden Vertragsärzten und leistungserbringenden Therapeuten wird durch die Gestaltung neuer Verordnungsvordrucke ermöglicht, insbesondere durch die obligate schriftliche Rückmeldung des Therapeuten am Ende einer Verordnungseinheit.
Praxisorientierte Umsetzung und Akzeptanz der neuen HMR hängen wesentlich von der Möglichkeit einer EDV-gesteuerten Handhabung ab. Die Anforderungen an die Software-Häuser sind daher erheblich. Die meisten Systemhäuser dürften zum Einführungszeitpunkt zumindest die neuen Verordnungsvordrucke im Rahmen der regelmäßigen Soft-
ware-Updates zur Verfügung stellen, sodass PC-Anwender die Formulare auf dem PC ausfüllen und anschließend ausdrucken können. Es ist allerdings empfehlenswert, sich bei seinem Softwarehaus hierüber zu informieren. Durch die kurze Vorlaufzeit – die Richtlinien wurden erst am 10. April vom BMG genehmigt – sind bei der datenbanktechnischen Aufbereitung der Richtlinien und deren Integration in die Praxis-EDV Verzögerungen möglich. Gleiches gilt für das Erstellen einer EDV-gestützten Dokumentationshilfe. Hiermit ist frühestens zum 4. Quartal 2001 zu rechnen. Daher benötigt der verordnende Arzt zumindest vorübergehend den vollständigen Text der Richtlinie und des Kataloges in Papierformat oder als ausdruckbaren „Download“ über das Internet.
Zudem bieten sowohl die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder als auch die ärztlichen und therapeutischen Verbände in den kommenden Wochen bundesweit Informationsveranstaltungen an, um die Betroffenen im Umgang mit den neuen Richtlinien zu schulen.
Umfassend kann sich der Arzt im Internet unter www.kbv.de und www. heilmittelkatalog.de informieren. Dort können sowohl die Richtlinien als auch die Heilmittelkataloge für die Physikalische Therapie, Ergotherapie und Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie heruntergeladen werden.
Hans-Martin Beyer
Kontaktadresse: Dr. med. Hans-Martin Beyer, Kobelstraße 2, 87629 Füssen

Verordnungsbeispiel Wirbelsäulenerkrankung: Der Bearbeitungsaufwand ist mit der alten Rezeptur auf Muster 16 vergleichbar, da die Diagnosen-Bezeichnung im gewohnten Sprachgebrauch auch künftig möglich ist. Allerdings müssen die Diagnosen inhaltlich dem Katalog eindeutig zugeordnet werden können. Auf eine Anlehnung an die Diagnosen des ICD-10 SGB V wurde verzichtet, da diese Klassifikation auf die Besonderheiten der Leitsymptomatik nicht eingeht.
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