ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 3/2001ICD-10-SGBV-Verschlüsselung: Frequently Asked Questions

Supplement: Praxis Computer

ICD-10-SGBV-Verschlüsselung: Frequently Asked Questions

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): [8]

Graubner, Bernd

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LNSLNS Zwar gelten die Verschlüsselungsregeln im ambulanten Bereich unverändert seit dem 1. Januar 2000 – das ICD-10-Prüfmodul, das für alle Arztprogramme seit dem 1. April 2001 Pflicht ist, hat dennoch bei einigen Anwendern für neue Verwirrung gesorgt.
Die mit der neuen ICD-10-SGBV-Stammdatei der KBV eingeführten Softwareanforderungen (ADT-Pflichtfunktionen) stellen keine neuen Verschlüsselungsregeln für die im ambulanten Bereich geltende ICD-10-SGBV (Version 1.3) dar. Das Prüfmodul soll vielmehr die Arztpraxen dabei unterstützen, Verschlüsselungsfehler zu vermeiden und einen hohen Qualitätsstandard bei der Verschlüsselung zu erreichen, damit sie diese Daten besser auswerten können und die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen möglichst korrekte und aussagekräftige Schlüsselnummern erhalten.
Zur Klärung von häufiger auftretenden Fragen werden einige Vorgaben und Empfehlungen, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Köln, für die KBV-Richtlinien zur Diagnosenverschlüsselung in Arztpraxisprogrammen gemacht hatte, noch einmal erläutert:
M Die ICD-10-SGBV unterscheidet zwischen den obligatorischen primären und den fakultativen sekundären Schlüsselnummern. Letztere können zusätzlich zu einer primären Schlüsselnummer angegeben werden, um die Diagnosenverschlüsselung präziser zu machen. Primäre Schlüsselnummern haben in der Regel kein Schlüsselnummernkennzeichen oder sind mit einem Kreuz (†) bzw. Pluszeichen (+) versehen:
Beispiele: A02.0 (Salmonellenenteritis) oder A02.2+ (Lokalisierte Salmonelleninfektionen)
Sekundäre Schlüsselnummern sind mit einem Stern (*) oder einem Ausrufezeichen (!) gekennzeichnet:
Beispiele: D63.8* (Anämie bei Neubildungen) oder B95.0! (Streptokokken, Gruppe A, als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind)
M Wird eine fakultativ anzugebende Sternschlüsselnummer verwendet, muss die inhaltlich zugehörige Kreuzschlüsselnummer hinzugefügt werden:
Beispiel: E11.3+ H28.0* (Katarakt bei Typ-II-Diabetes mellitus)
Eine Besonderheit der Kreuz-Stern-Verschlüsselung ist, dass jede primäre Schlüsselnummer eine potenzielle Kreuzschlüsselnummer darstellt und mit oder ohne Hinzufügung des Kreuzes eine Sternschlüsselnummer ergänzen kann:
Beispiel: C41.2 (oder C41.2+) G55.0* (Wirbelsäulensarkom mit Nervenwurzelkompression)
M Eine fakultative Ausrufezeichenschlüsselnummer muss durch eine inhaltlich zugehörige primäre Schlüsselnummer ergänzt werden. Diese ist in der Regel keine Kreuzschlüsselnummer, sondern eine Schlüsselnummer ohne Kennzeichen:
Beispiel: I48 Z95.0! (Herzschrittmacher wegen Vorhofflimmerns)
M Die Schlüsselnummernkennzeichen Stern und Ausrufezeichen sind mit den zugehörigen Schlüsselnummern inhaltlich fest verbunden. Daher müssen sie bei der Verschlüsselung nicht angegeben werden. Auch die Angabe des Kreuzes beziehungsweise Pluszeichens ist entbehrlich. Hier sind jedoch die Festlegungen der jeweiligen Software zu beachten.
M Verschlüsselt wird mit den „endständigen“, das heißt nicht weiter unterteilten differenzierten vier- oder dreistelligen Schlüsselnummern:
Beispiele: A08.0 (Enteritis durch Rotaviren) oder A09 (Diarrhoe und Gastroenteritis, vermutlich infektiösen Ursprungs)
Die Benutzung der nichtendständigen Punkt-Strich-Schlüsselnummern (Beispiel: A08.- Virusbedingte und sonstige näher bezeichnete Darminfektionen) ist ausschließlich den hausärztlich tätigen Ärzten im Rahmen der Anwendung des ICD-10-SGBV-Basisschlüssels gestattet. Allen Computeranwendern darunter wird jedoch empfohlen, statt dieser groben Schlüsselnummern die vom jeweiligen Programm angebotenen differenzierteren endständigen Schlüsselnummern zu benutzen. Fachärzte dürfen den Basisschlüssel nicht anwenden, jedoch sämtliche zum Basisschlüssel gehörenden endständigen Schlüsselnummern:
Beispiele: N39.0 (Harnwegsinfektion, Lokalisation nicht näher bezeichnet) und N40 (Prostatahyperplasie), nicht jedoch N39.- (Sonstige Krankheiten des Harnsystems)
Die im Kapitel XXI enthaltenen, nicht weiter unterteilten zehn Punkt-Strich-Schlüsselnummern dürfen von allen Ärzten benutzt werden:
Beispiele: Z00.- (trotz Z00.5), Z12.-, Z29.-, Z30.-, Z31.-, Z32.-, Z34.-, Z35.-, Z39.- und Z53.-!
M Die Zusatzkennzeichen V, Z und A zur Angabe der Diagnosensicherheit sowie R, L und B für die Seitenlokalisation können im ambulanten Bereich im Gegensatz zum stationären Bereich weiterhin verwendet werden.
M Für die gesetzlich vorgeschriebene Diagnosenverschlüsselung gemäß § 295 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) dürfen ausschließlich die Schlüsselnummern der ICD-10-SGBV, Version 1.3, benutzt werden. Schlüsselnummern der vollständigen WHO-Version der ICD-10, die nicht in der ICD-10-SGBV enthalten sind (wie zum Beispiel Z00.0 oder Z85.3), sind nicht erlaubt.
Weitere Erläuterungen zur Diagnosenverschlüsselung enthalten beispielsweise die in der ICD-10-SGBV-Ausgabe, Version 1.3, des Deutschen Ärzte-Verlages abgedruckten Verschlüsselungshinweise. Diese sind in nahezu identischer Form im ICD-10-Diagnosenthesaurus, Versionen 3.0 (Deut-scher Ärzte-Verlag, Köln) und 3.1 (Verlag Hans Huber, Bern), enthalten. Jeder Arzt sollte als umfassendes Nachschlagewerk die ICD-10-SGBV-Buchausgabe besitzen und für die manuelle Verschlüsselung auch den ICD-10-Diagnosenthesaurus verwenden können.
Informationen können auch von den Internet-Seiten des ZI oder der KBV heruntergeladen werden (siehe unter www.zi-koeln.de oder www.kbv-it.de).
Bernd Graubner
Kontaktadresse: Dr. med. Bernd Graubner, Telefon: 05 51/2 25 26, Fax: 2 53 38,
E-Mail: bernd.graubner@mail.gwdg.de
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