ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 3/2001Mobile Commerce: Bezahlen mit dem Handy

Supplement: Praxis Computer

Mobile Commerce: Bezahlen mit dem Handy

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): [26]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Das Mobiltelefon erweitert die Palette vorhandener Online-Zahlungssysteme um einige neue Varianten.
Wer per WAP oder Web einkaufen will, hat mittlerweile die Qual der Wahl beim Begleichen der Rechnung. Neben dem Bezahlen mit Kreditkarte per 128-Bit-SSL-Verschlüsselung, dem beliebtesten Verfahren, kann die Zahlung beispielsweise auch über den SET-Standard (Secure Electronic Transaction), per Geldkarte oder mit virtuellem Geld (siehe Kasten) abgewickelt werden. Darüber hinaus wird als Zahlungsmittel zunehmend das Mobiltelefon interessant: Schätzungen zufolge sollen 2005 fast 800 Millionen Menschen Finanzdienstleistungen per Handy nutzen, darunter 22,5 Millionen allein in Deutschland.
Für das E-Payment per Handy gibt es mehrere Verfahren. Diese basieren ausnahmslos darauf, dass der Käufer eine Online-Zahlung zunächst per Handy bestätigen muss, bevor sie ausgeführt wird. Dadurch entfällt das Sicherheitsrisiko, dass im Internet ausspionierte Zahlungsdaten missbraucht werden können. Ein grundsätzlicher Nachteil der handygestützten Verfahren ist allerdings, dass der Anwender für das Shopping im Web nicht nur den PC benötigt, sondern als zusätzliches Medium auch das Handy samt PINs zur Hand haben muss, um seine Einkäufe zu bezahlen. Das Handy kann jedoch nicht nur für sichere Online-Bezahlvorgänge genutzt werden, sondern – als Alternative zu Karten oder Bargeld – auch offline, etwa zum Bezahlen der Taxifahrt oder der Hotelrechnung.
Zu den bekanntesten Verfahren gehört die „mobile Geldbörse“ der Paybox Deutschland AG (www.paybox. de), Wiesbaden, an der die Deutsche Bank AG mit 50 Prozent beteiligt ist. Meldet sich ein Kunde online an, kann er sein Handy sofort freischalten und – mittels einer temporären PIN – für maximal 50 Euro einkaufen. Sobald der unterschriebene Kundenvertrag bei Paybox eingetroffen ist, erhält der Nutzer ein Startpaket mit seiner individuellen PIN, die nur in Kombination mit der SIM-Karte seines Handys funktioniert. Das Tageslimit eines Paybox-Kunden liegt zwischen 300 und 1 000 Euro für Zahlungen bei Händlern bzw. Dienstleistern und für private Transaktionen bei höchstens 200 Euro.
Der Ablauf einer Zahlung: Der Kunde sendet seinen Warenkorb und seine Handy-Nummer an den Händler. Dieser übermittelt die Bestellung zusammen mit seinen eigenen Daten an Paybox. Paybox ruft den Kunden auf seinem Handy an und teilt ihm per Sprachcomputer die Zahlungsdaten mit. Der Kunde bestätigt die Angaben durch Eingabe seiner PIN. Paybox teilt dem Händler diese Bestätigung mit. Daraufhin bestätigt dieser die Zahlung gegenüber dem Kunden. Der Zahlungsbetrag wird anschließend von Paybox per Lastschrift vom Girokonto eingezogen und an den Händler überwiesen.
Mit der neuen Übertragungstechnologie GPRS (General Package Radio Service) können Einkäufe in WAP-Shops auch direkt über das Handy bezahlt werden. Hierzu genügt ein Klick auf die Option Paybox, um den Zahlungsvorgang zu starten. Paybox-Nutzer können darüber hinaus an alle deutschen Mobilfunknummern und Girokonten Geld überweisen, ohne dass die Empfänger dazu bei Paybox registriert sein müssen. Der Anwender zahlt zurzeit eine Jahresgebühr von fünf Euro – das erste Nutzungsjahr ist kostenfrei.
SMS-gestützte Verfahren
Ein ähnliches Verfahren hat die Firma Payitmobile AG (www.payitmobile.de), Frankfurt, entwickelt. Partner des Unternehmens ist die Gesellschaft für Zahlungssysteme mbH (GZS), Frankfurt. Mit „Payitmobile“ kann man sowohl in WAP- als auch in Web-Shops mit dem Handy bezahlen. Dazu klickt der Kunde auf den Button „Payitmobile“ auf der Bezahlseite eines registrierten Händlers und gibt seine Handy-Nummer in das Feld ein. Die Daten werden über eine sichere Verbindung an Payitmobile übermittelt. Anschließend erhält der Käufer eine SMS mit dem Rechnungsbetrag und gibt seine PIN ein, um die Zahlung zu bestätigen. Die Zahlungsmittel können bei jeder Zahlung frei gewählt werden, beispielsweise die Kreditkarte oder das Girokonto. Nachteil hierbei ist, dass SMS-Nachrichten gelegentlich auch mit Verzögerungen übermittelt werden.
Der Kunde zahlt bei Payitmobile weder eine Grund- noch eine Transaktionsgebühr (eine Ausnahme ist der Geldtransfer von Handy zu Handy). Die Gebühren für SMS richten sich nach dem jeweiligen Handynetz-Provider. Der registrierte Nutzer kann darüber hinaus anderen Payitmobile-Nutzern vom Handy aus Geld schicken, indem er lediglich die Handynummer des Zahlungsempfängers angibt.
Ebenfalls ein SMS-basiertes mobiles E-Payment-Verfahren bietet die Firma Inatec, Leipzig, mit StreetCash (www.
streetcash.de) an. Das Bezahlverfahren funktioniert über eine Kooperation mit dem Prepaid-Anbieter Paysafecard auch ohne Registrierung und bietet dem Händler eine Zahlungsgarantie. Der Kunde erwirbt ähnlich den Prepaid-Handykarten eine „Rubbel-Karte“ im Wert von 50 DM, 100 DM oder 200 DM. Die Paysafecard wird in Deutschland von der Commerzbank ausgegeben und verwaltet. Auf der Rückseite der Karte befindet sich ein 16-stelliger Zahlencode, mit dem bezahlt wird. Zusätzlich kann die Karte mit einem Passwort geschützt werden. Erhält der nichtregistrierte StreetCash-Nutzer eine SMS mit der Aufforderung zur Zahlungsbestätigung, muss er nur noch den auf seiner Paysafecard angegebenen Zahlencode anstelle seiner PIN eingeben. Der Einkauf ist getätigt, der Betrag wird vom Guthaben abgebucht. Das anonyme Verfahren ist grundsätzlich für Einkäufe im stationären Handel entwickelt, aber auch für Online-Shops und WAP-Applikationen anwendbar.
Auch die TeleCash GmbH, Düsseldorf (www.telecash.de), hat auf der Computermesse CeBIT ein Handy-Payment-Verfahren vorgestellt, bei dem der Käufer per SMS die Zahlung bestätigen muss. Weitere Anbieter werden sicher folgen, denn dem Mobile Commerce werden zurzeit größere Wachstumsraten prophezeit als dem Electronic Commerce.
Handy-Rechnung als Bankkonto
Allen Verfahren ist gemeinsam, dass
sie über Kreditkarten oder Bankkonten abgewickelt werden. Verfahren, die ohne diesen „Umweg“ über Geldinstitute auskommen und stattdessen die Handy-Rechnung als Bankkonto benutzen, sind ebenfalls in Vorbereitung, etwa bei Mannesmann/Vodafone oder Viag Intercom. So arbeiten Viag Intercom und die HypoVereinsbank an einem offenen Standard für Internet- und Mobile-Payments, der sowohl von Prepaid- als auch von Vertragskunden genutzt werden kann. Das Mobilfunkunternehmen hat darüber hinaus ein Pilotprojekt gestartet, bei dem bis zu 1 000 Teilnehmer ihre Online-Einkäufe über das Handy bezahlen können. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass der Käufer als Vertragskunde bei Viag Interkom mindestens zwei Mobilfunkrechnungen beglichen haben muss.
Bislang ist noch unklar, welches der Verfahren sich langfristig durchsetzen und die meisten Internet-Händler und Käufer ansprechen wird. Für die Online-Shops ist es allerdings zu aufwendig, sämtliche Bezahlverfahren abzudecken und zu integrieren, während sich der Anwender wünscht, dass möglichst viele Handler ein von ihm favorisiertes System untersützen. Dennoch ist ein allgemein akzeptierter Standard für Mobile Payment nicht in Sicht, auch wenn inzwischen daran gearbeitet wird (siehe www.msign.de).
Heike E. Krüger-Brand

Bargeldlose Zahlungsverfahren im Internet
SSL (Secure Socket Layer) – geschützte Internet-Verbindung zwischen Händler und Kunde
SET (Secure Electronic Transaction) – Bestellinformationen und Kreditkartennummern werden verschlüsselt übermittelt. Der Händler hat nur Zugriff auf die Bestellinformationen, die übrigen Daten gehen an das Geld- bzw. Kreditkarteninstitut.
eCash, CyberCoins – elektronische Geldbörse (Wallet) mit virtuellen Münzen, die von der Bank freigeschaltet worden sind.
Geldkarte – an Bankterminals aufladbare Chipkarte; erforderliches Equipment: Kartenlesegerät und spezielle Software.
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