ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1996Rentenversicherung: Sparmaßnahmen bei der Rehabilitation

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Rentenversicherung: Sparmaßnahmen bei der Rehabilitation

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LNSLNS F ür das Jahr 1996 sollen in den Haushalten der Rentenversicherungsträger rund 500 Millionen DM bei den Rehabilitationsausgaben eingespart werden. Davon entfallen auf den Haushalt der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) allein 196 Millionen DM.
Anläßlich der Verabschiedung des Haushaltsplanes 1996 durch die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der BfA am 6. Dezember 1995 in Berlin erklärte der alternierende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses der Ver­tre­ter­ver­samm­lung, Prof. J. F. Volrad Deneke, Bonn, für die Gruppe der Arbeitgebervertreter: "Wir werden erstmals einen Haushalt beschließen, in dem für die Rehabilitation nahezu 200 Millionen DM einzusparen sind, ohne daß bereits eingeplant ist, an welchen Positionen und in welcher detaillierten Höhe dies zu vollziehen sein wird. Dies zwingt zu einer Ortsbestimmung der Rehabilitation in der Haushaltsentwicklung der Rentenversicherungsträger."
Die Aufwendungen der Rentenversicherungsträger für Rehabilitationsleistungen sind in den letzten fünf Jahren (1990 bis 1994) nach Angaben der BfA um 64,6 Prozent gestiegen, während die Rentenausgaben im gleichen Zeitraum um 57,5 Prozent wuchsen.
Während der Ver­tre­ter­ver­samm­lung wurde festgestellt: Auf Initiative der BfA ist der traditionelle Kuraufenthalt mit Inanspruchnahme von Kurmitteln zu wissenschaftlich fundierter medizinischer Rehabilitation weiterentwickelt worden. Über die systematische Qualitätssicherung mit der Entwicklung von Standards zum Katalog therapeutischer Leistungen bis zum indikationsbezogenen Gesundheitstraining als "verordneter Aktivierung zu Eigenverantwortung und Selbsthilfe" (Deneke) ist die medizinische Rehabilitation zu einer tragenden Säule im Gesundheitswesen neben der aktuellen Therapie und der Prävention ausgebaut worden.
Gleichzeitig sei das Gesundheitsbewußtsein in der Bevölkerung erheblich gesteigert worden. Dies habe zu einer widersprüchlichen Entwicklung geführt. Das der Gesundheit förderliche Verhalten habe sich in der Gesamtbevölkerung nicht wesentlich verbessert: Die Ausgaben für Genußmittel mit gesundheitsschädigenden Wirkungen nähmen nicht ab. Dagegen steige die Inanspruchnahme sozialgesetzlicher Angebote zur medizinischen Betreuung ungebremst.
Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit in der Weiterentwicklung der Rehabilitation können nicht mit der Heckenschere behandelt werden, wurde vor der Ver­tre­ter­ver­samm­lung betont. Sie erforderten vielmehr unterschiedliche, gezielte Maßnahmen. Die drei erfolgversprechendsten Maßnahmen sind nach Ansicht des Arbeitgebervertreters Deneke:
– eine weitere Aktivierung der Selbstverantwortung und des Leistungswillens der Rehabilitanden;
– eine Förderung der ambulanten in Kooperation mit der stationären Rehabilitation und
– eine Optimierung der Verweildauer in der stationären Rehabilitation.
Zur Verfolgung dieser Ziele könnten einige unbequeme Fragen gestellt werden, zum Beispiel: Können nicht vermehrt bei entsprechenden Indikationen drei Wochen anstelle der üblichen vier Wochen stationärer Rehabilitation ausreichen? Hier hat die BfA bereits einen Anfang in einigen Indikationsbereichen gemacht; sie will dadurch auch die Verweildauer senken.
Muß der therapeutische Betrieb schon Freitagmittag stillgelegt werden? Wenn dies am Samstagmittag geschieht, wird ein ganzer Tag gewonnen, und es bleiben immer noch anderthalb Tage der Besinnung. Dadurch werden die Personalkosten steigen, aber die Investitionen werden auf jeden Fall besser genutzt. Es käme auch zu besserer, sinnvollerer Stetigkeit der therapeutischen Maßnahmen. So eine weitere Feststellung des Sprechers.
Könnte nicht eine zusätzliche Woche, die nicht wirklich für den Behandlungserfolg unerläßlich ist, vom gesundheitsbewußten Rehabilitanden als Urlaubswoche zur Festigung des Rehabilitationserfolges selbst eingebracht werden?
Müßte nicht statt der rehabilitierenden Klinik eine kritische Instanz über die Notwendigkeit der Verlängerung eines Klinikaufenthaltes entscheiden?
Müssen nicht im Zuge der demographischen Entwicklung und des Vollzugs der stationären Pflegeversicherung Rehabilitationsbetten für "Rehabilitation vor Pflege" umgewidmet werden – Betten, die gestern noch für "Rehabilitation vor Rente" gebaut worden sind? EB
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