ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Biomedizin: Unsachliche Auseinandersetzung

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Biomedizin: Unsachliche Auseinandersetzung

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1542 / B-1315 / C-1230

Molzahn, Martin; Tuffs, Annette

Zum Beitrag „Die Politik steht vor der Quadratur des Kreises“, mit Auszügen aus dem Buch „Politik des Lebens – Politik des Sterbens“ von Andreas Kuhlmann in Heft 11/2001:
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LNSLNS Sie haben Auszüge aus dem Buch des freien Publizisten Andreas Kuhlmann gebracht, die auch zur Organspende Stellung nahmen.

Sein Buch befasst sich mit ethischen Grundfragen am Anfang und Ende des Lebens und lässt leider, was die Organspende betrifft, die nötige sachlich differenzierte und sprachlich angemessene Auseinandersetzung vermissen.
Das Transplantationsgesetz hat der „persönlichen Wertentscheidung jedes Einzelnen“, die der Autor fordert, durchaus Rechnung getragen, ja, es stellt diese unmissverständlich an oberste Stelle. Wer eine Organ-
entnahme nach dem Tode, aus welchen Gründen auch immer, ablehnt, hat die Möglichkeit, sich zu Lebzeiten schriftlich, zum Beispiel im Organspendeausweis, oder mündlich, durch Gespräch mit den Angehörigen, zu entziehen. Die Persönlichkeitssphäre des Verstorbenen ist durch das Gesetz gewahrt. Die Not der schwer kranken Patienten, die dringend ein Organ benötigen, kann eine durch den Verstorbenen oder – stellvertretend – nahe stehende Personen nicht autorisierte Organ-
entnahme keineswegs rechtfertigen. Diese sollte in den ethischen Überlegungen jedoch nicht als reines Zweckdenken abgetan werden.
Der Autor lehnt jedoch die Organspende schlichtweg ab, offensichtlich auch diejenige, die durch den zu Lebzeiten ausgesprochenen Willen ermöglicht worden ist. Wie anders könnte er davon sprechen, dass dem Verstorbenen „mitgespielt“, ja dass er „malträtiert“ werde. Er schreibt von einem „Kadaver, den man nach Belieben ausweiden kann“ und schlägt damit allen Menschen ins Gesicht, die selbst zur Organspende nach dem Tod bereit sind, sowie den Angehörigen, die im Sinne des Verstorbenen zugestimmt haben. Hier muss die Frage erlaubt sein: Wie ethisch ist eigentlich eine solch unsachliche Auseinandersetzung mit einem für viele Patienten existenziellen Bereich der Medizin? Die aktuelle Debatte um mögliche Eingriffe zu Beginn des Lebens hat die Fragen um das Sterben wieder aufleben lassen. Dabei wird jedoch übersehen: Die ethischen Überlegungen müssen den jeweiligen Sachverhalten gerecht werden und sollten nicht in einer Diffamierung enden.
Prof. Dr. Martin Molzahn, Dr. Annette Tuffs, Deutsche Stiftung Organtranspantation (DSO), Emil-von-Behring-Passage, 63263 Neu-Isenburg

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