ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Medikamente und Adenokarzinom der Speiseröhre

MEDIZIN: Referiert

Medikamente und Adenokarzinom der Speiseröhre

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1565 / B-1333 / C-1247

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LNSLNS Das Adenokarzinom der Speiseröhre ist der momentan am raschesten progrediente menschliche Tumor. Die Inzidenz liegt bei eins pro 100 000. Ursächlich wird in erster Linie eine Zunahme der Refluxkrankheit der Speiseröhre in Betracht gezogen, sodass von einem Refluxösophagitis-Folgekarzinom gesprochen werden kann. Die schwedischen Autoren untersuchten den Einfluss von Medikamenten, die den unteren Ösophagussphinkter erschlaffen lassen, auf das Risiko eines Adenokarzinoms der Speiseröhre hin. In der Tat war bei Langzeiteinnahme von Medikamenten wie Nitroglycerin, Anticholinergika, b-adrenergen Agonisten, Aminophyllin und Benzodiazepinen das Risiko, einen Speiseröhrenkrebs zu bekommen, um den Faktor 3,8 erhöht im Vergleich zu Personen, die nie solche Medikamente eingenommen hatten. Eine kurzfristige Einnahme (kürzer als fünf Jahre) hatte keinen negativen Einfluss, besonders betroffen waren Anticholinergika. Bei 15 490 Männern aller Altersgruppen, die Medikamente, die den unteren Ösophagussphinkter relaxieren, täglich über fünf Jahre einnahmen, trat ein zusätzliches Adenokarzinom auf, bei Männern jenseits des 60. Lebensjahres gab es ein zusätzliches Karzinom auf 5 570 Medikamenteneinnahmen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass rund zehn Prozent aller Adenokarzinome der Speiseröhre auf die Einnahme sphinkterrelaxierender Medikamente zurückzuführen seien. Beim Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre und dem Kardiakarzinom des Magens war eine solche Assoziation nicht nachweisbar. Offensichtlich spielt der weit verbreitete Einsatz von sphinkterrelaxierenden Medikamenten eine Rolle bei der Zunahme der Refluxkrankheit der Speiseröhre und des Adenokarzinoms des Ösophagus. w

Lagergren J, Bergström R, Adami H-O et al.: Association between medications that relax the lower esophageal sphincter and risk for esophageal adenocarcinoma. Ann Intern Med 2000; 133: 165–175.

Dr. J. Lagergren, Department of Medical Epidemiology, Karolinska Institutet, Box 281, SE 171 77 Stockholm, Schweden.

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