ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Kuriositäten: Radio- und Eisenbahnkrankheiten

VARIA: Feuilleton

Kuriositäten: Radio- und Eisenbahnkrankheiten

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1568 / B-1336 / C-1250

Hanauer, W.

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LNSLNS Zivilisationskritische Texte aus den 20er-Jahren

Daß durch das viel gebrauchte Radio auch Gesundheitsstörungen erzeugt werden können, beweisen die Erfahrungen der Nervenärzte in ihren Sprechstunden.
Das neue Krankheitsbild wird nach der Schilderung des Nervenarztes Dr. Kalischer in Berlin dadurch hervorgerufen, daß durch das Anstrengende und die unmäßige Anspannung des Radiohörens, den Druck der Kopfhörer, die einseitige Einstellung eines Sinnesorgans unter Ausschluß der anderen, das Nervensystem erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird.
Durch die Sucht nach diesem künstlichen Betäubungsmittel wird allmählich die gesunde Willens- und Lebenskraft untergraben. Durch die einseitige Hingabe an die künstliche Übertragung und Vermittlung wird die Empfänglichkeit und Genußfähigkeit für alle natürlichen Eindrücke und Wirkungen der Natur, der Kunst und Wissenschaft abgestumpft und verkümmmert. Die Willenskraft, die gesunde körperliche und geistige Entwicklung wird gehemmt und durch die übermäßige Benutzung des Radios eine zweckmäßige Zeiteinteilung und gesellige Lebensführung verhindert.
Derartige Kranke müssen einer Radio-Entziehungskur unterworfen werden, mit langsamer und allmählicher Ausschaltung des Radiohörens und gleicher Aufnahme der alten Gewohnheiten und Tätigkeiten nach einem vorgeschriebenen Plan, wobei auch andere Organe als das Gehör ihre Berücksichtigung finden.
Bei manchen übereifrigen Radiohörern zeigen auch die Ohren eine eigentümliche Stellungsveränderung, indem die Ohrläppchen sowie die Muscheln wie festgeklebt dicht am Ohre haften. Auch andere Ohrenkrankheiten werden bei Radioliebhabern beobachtet. Bei längerem Horchen wird die Muschel klebrig, am Ohrläppchen tritt Schwellung und Bläschenbildung auf.
Dr. W. Hanauer
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