ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Antibiotikum Linezolid : Bald eine neue Waffe gegen Wundinfektionen

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Antibiotikum Linezolid : Bald eine neue Waffe gegen Wundinfektionen

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1573 / B-1326 / C-1240

Kreutzberg, Karin

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LNSLNS Mit Linezolid wird in Kürze das erste Antibiotikum einer neuen Wirkstoffklasse, der Oxazolidinone, zur Verfügung stehen. Es bekämpft erfolgreich auch solche Erreger, die gegen die meisten Antibiotika resistent sind. Große Probleme bereiteten den Chirurgen nosokomial erworbene Weichteilinfektionen – in der Regel postoperative Wundinfektionen, die in über der Hälfte der Fälle durch grampositive Kokken verursacht würden, berichtete Prof. Toni Hau (Sand) bei einer Veranstaltung der Firma Pharmacia während des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in München.
Während die Erreger ambulant erworbener Weichteilinfektionen normale Resistenzmuster zeigen, weisen die nosokomial durch grampositiven Keime aquerierten häufig multiple Resistenzen auf. Gegen Staphylococcus aureus sind inzwischen 15 Prozent der Stämme Methicillin-resistent, aber auch Cephalosporine oder Aminoglykoside versagen häufig. Allein Vancomycin ist bei Methicillin-resistenten S. aureus noch wirksam.
Intravenöse und orale Darreichungsform
Linezolid erwies sich in einer doppelblinden Studie an Patienten mit nosokomialen Weichteilinfektionen aufgrund von multipel resistenten gram-positiven S. aureus dem Vancomycin als ebenbürtig. Die klinische Erfolgsrate lag unter beiden Substanzen bei über 70 Prozent. Während Vancomycin nur intravenös verabreicht werden kann, ist bei Linezolid eine intravenöse und orale Gabe möglich.
Oxazolidinone greifen schon zu Beginn der Eiweißsynthese von Bakterien an und wirken daher früher als andere Antibiotika. Es gibt Hinweise, dass sie auch von diesen Bakterien produzierte Toxine hemmen. Empfohlen wird, die Behandlung mit Linezolid im Krankenhaus nach Erregertestung zunächst intravenös zu beginnen und anschließend in Tablettenform ambulant weiterzuführen.
Wie Prof. Fritz Sörgel (Nürnberg-Heroldsberg) ausführte, liegt die Bioverfügbarkeit von Linezolid bei oraler Gabe bei 100 Prozent. Serumspitzenwerte werden bei einmaliger Dosis von 600 mg innerhalb von ein bis zwei Stunden erreicht, die Halbwertszeit beträgt circa sechs Stunden. Die Plasmaproteinbindung ist mit 31 Prozent gering. Die Resorption wird nicht von der Nahrungsaufnahme beeinträchtigt. 35 Prozent der Substanz werden über die Niere unverändert ausgeschieden, zehn Prozent über die Leber metabolisiert. Bei Nieren- oder Leberstörungen ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Bei etwa 800 000 in den USA mit Linezolid behandelten Patienten traten Nebenwirkungen in Form von leichten gastrointestinalen Störungen und selten eine reversible Anämie, Thrombopenie oder Leukopenie auf. Linezolid ist bisher in den USA und England zur Behandlung von Haut- und Weichteilinfektionen zugelassen, wobei eine Dosis von zweimal 600 mg täglich empfohlen wird. Bei uns wird das neue Antibiotikum unter dem Handelsnamen Zyxovid® voraussichtlich im Herbst auf den Markt kommen. Dr. med. Karin Kreutzberg
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