ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2001Forschung – Diabetes mellitus: „Designer“-Insuline in „Designer“-Regimen

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Forschung – Diabetes mellitus: „Designer“-Insuline in „Designer“-Regimen

Dtsch Arztebl 2001; 98(23): A-1573 / B-1326 / C-1240

Böhm, Sonja

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LNSLNS Bei der Behandlung des Diabetes mellitus kommen zunehmend postprandiale Blutzuckerspitzen infrage. Sie treten schon früh im Krankheitsverlauf auf, als Folge eines Wegfalls der ersten Phase der Insulinsekretion. Postprandiale Glukosespitzen sind mit einer deutlich erhöhten kardiovaskulären Mortalität assoziiert, zeigen Studien wie DECODE.
Nachdem bereits schnell wirksame Substanzen (Insulinanalogon NovoRapid® und oraler Wirkstoff NovoNorm®) auf dem Markt sind, die speziell gegen diese gefährlichen Blutzuckerspitzen gerichtet sind, ist jetzt noch eine Neueinführung geplant: ein so genanntes biphasisches Insulin, das eine Mixtur aus dem schnell wirksamen Analogon und einer verzögerten Komponente enthält. Solche „Designer-Insuline“, wie Prof. Malcolm Natrass (Birmingham) anlässlich des internationalen Expertentreffens „Diabetes Dialogue“ in Genf bezeichnete, werden dann wahrscheinlich auch in neuen „Designer-Regimen“ verabreicht.
Die Analog-Mixturen können in Zukunft statt nur zweimal mehrmals täglich – jeweils zu den Mahlzeiten – gespritzt werden. Unterschiedliche Zusammensetzungen der Fertigmischungen berücksichtigen den unterschiedlichen Insulinbedarf nach dem Frühstück oder dem Mittagessen. Ein weiterer Vorteil solcher Regime: Je häufiger gespritzt wird, umso geringer ist die Variabilität der Insulinabsorption.
Genau diese intraindividuelle Variabilität in der Verfügbarkeit ist immer noch ein Problem bei der basalen Hormonversorgung von Diabetikern mit herkömmlichem NPH-Insulin. Doch auch hier soll bald Abhilfe aus den Novo-Forschungslabors kommen. „Determin“ heißt das dort entwickelte neuartige Basalinsulin. Es bindet im subkutanen Gewebe und im Blutkreislauf an den Eiweißstoff Albumin und wird von diesem nur langsam und gleichmäßig freigesetzt. Aufgrund des besonderen Verzögerungsprinzips sind die erzielten Hormonspiegel weniger variabel und gleichmäßiger als beim herkömmlichen NPH-Insulin. Determin befindet sich bereits in Phase III der klinischen Entwicklung.
Insulin plus orale Antidiabetika
Ein weiterer neuer Trend ist es, beim Sekundärversagen oraler Antidiabetika nicht sofort auf eine Insulin-Monotherapie umzustellen, sondern Insulin und orale Antidiabetika zu kombinieren. Als besonders günstiger Kombinationspartner gilt Metformin. Denn das Biguanid verhindert die oft mit der Insulintherapie einhergehende Körpergewichtszunahme. Auch Insulinsekretagoga wie Sulfonylharnstoffe oder Repaglinide, die tagsüber weiterhin gegeben werden, lassen sich mit einem NPH-Insulin zur Nacht gut kombinieren. Erste in Genf präsentierte Erfahrungen zeigen, dass sich auch die neuen biphasischen Mischungen wie NovoMix® 30 für Kombinationen mit Metformin, Repaglinide oder sogar beiden oralen Antidiabetika eignen. Sonja Böhm


DECODE = Diabetes Epidemiology: Collaborative Analysis Of Diagnostic Criteria in Europe
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